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Wahlauftakt in Italien

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Wahlauftakt in Italien

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Die Plakate haben ausgedient: Heute und morgen stimmen die Italiener nun endlich über ihr neues Parlament ab, nach einem der erbittertsten Wahlkämpfe in der Geschichte des Landes.

Die Wahllokale sind gerüstet: Wählerschlangen wie beim letzten Mal soll es nicht geben; damals mussten manche Lokale länger aufbleiben als geplant. Allerdings ist das Wahlrecht neu und reichlich kompliziert, die Wahlzettel entsprechend umfangreich. Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat noch einmal alle Register gezogen: vom Versprechen, einige Steuern abzuschaffen, bis zu Beschimpfungen seiner Gegner: Für ihn Kommunisten, ihre Vorbilder Stalin, Mao und Pol Pot. Sein Gegner Romano Prodi verweist vor allem auf die schlechte Wirtschaftslage nach fünf Jahren Berlusconi. Das Wachstum ist kaum messbar, Italien hat den dritthöchsten Schuldenberg der Welt angehäuft. Die Wettbüros sehen Prodi schon klar als Sieger; aber er führt ein schwieriges Wahlbündnis: Kommunisten, Grüne, Katholiken, alles ist dabei. Einig sind sie vor allem im Kampf gegen Berlusconi. Der hat sich als Macher verkauft, dessen Gegner nie richtig gearbeitet hätten, und das zieht bei manchen: Besser, ein Unternehmer regiert Italien, sagt dieser Mann in Rom, als Politiker ohne Beschäftigung. Vieles wird sich in den südlichen, ärmeren Landesteilen entscheiden, wie hier in Neapel. Die Politiker sähen gar nicht, wie heruntergekommen der Süden sei meint dieser Fischer. Das sehen auch junge Leute so: Sie gehen zum Beispiel wählen, sagen diese Studenten. weil sie ein für alle mal diese Regierung loswerden wollen, die das Land ruiniere. Ob dieses Vorhaben klappt, wissen sie morgen nachmittag: Punkt drei schließen die Wahllokale.