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Erdgas- und Ölindustrie Boliviens verstaatlicht

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Erdgas- und Ölindustrie Boliviens verstaatlicht

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Boliviens linksgerichteter Präsident Evo Morales hat die Erdgas- und Ölvorkommen seines Landes verstaatlicht. Morales unterzeichnete eine entsprechende Anordnung, wonach ausländische Konzerne ihre Produktionskapazitäten an eine staatliche Gesellschaft übergeben müssen. Diese soll künftig den Export übernehmen. Betroffen sind u.a. die multinationalen Konzerne Petrobas aus Brasilien, Exxon aus den USA, das spanisch-argentinische Unternehmen Repsol, BP und British Gas sowie Total aus Frankreich.

Zugleich warnte er die Konzerne, die Verstaatlichung werde notfalls mit Gewalt durchgesetzt. Das Militär und die Polizei besetzten im Laufe des gestrigen Tages landesweit 56 Erdöl- und Erdgasfelder sowie zwei Raffinerien, um die Anlagen zu schützen, hieß es. An der Wall Street in New York nahm man die Entscheidung der bolivianischen Regierung gelassen auf. “Auf kurze Sicht hat das keine großen Auswirkungen, weil Bolivien keine besonders große Öl- und Erdgasindustrie hat,” sagt David Wyss vom Finanzdienstleiter Standard and Poors, “aber dies ist ein Zeichen dafür, dass andere Staaten der Führung von Präsident Chavez in Venezuela folgen und dass sie nicht länger einsehen, warum nur die Amerikaner die großen Profite einstreichen sollen, jetzt, wo die Ölpreise in die Höhe schießen.” Die Verstaatlichung der Erdöl- und Gasvorkommen war eines der wichtigsten Wahlversprechen von Evo Morales, der seit Dezember letzten Jahres im Amt ist.