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Wird Serbien-Montenegro nun für unbestimmte Zeit von der Europäischen Union ausgegrenzt?

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Wird Serbien-Montenegro nun für unbestimmte Zeit von der Europäischen Union ausgegrenzt?

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Es gibt zweifellos Nuancen in der Art, wie der Verhandlungsstopp von den einen und den anderen interpretiert wird.
Nachbarn möchten gern weiter hoffen, so wie die griechische Parlaments-Abgeordnete und ehemalige EU-Kommissarin Anna Diamantopolou.

Sie bezeichnet den Balkan als wichtigen Ort für Frieden und Entwicklung in Europa.

Da könne Serbien nicht ein “schwarzes Loch” bleiben. Zeitvorgaben und Entscheidungen der EU seine natürlich zu respektieren. Die EU sei aber eine politische Einheit und kein Gerichtshof. Sie glaubt, da sei noch Raum für diplomatische Arbeit.

Das Problem liegt im serbischen Selbstbewußtsein. Noch zu viele Serben sehen in dem vom internationalen Gerichtshof gesuchten Kriegsverbrech einen Nationalhelden. Eine echte Aufarbeitung der blutigen Vergangenheit haben sie noch vor sich.

Entsprechend vorsichtig agieren die Politiker. Wie weit etwa der serbische Regierungschef Kostunica selbst nationalistischen Ideen zuneigt, das ist eine Sache – wie weit er auf breite nationalistische Stimmungen in der Bevölkerung Rücksicht nimmt – eine andere.

Die im Auftrage der EU-Kommission arbeitende Politikolin Gergona Nutschewa meint, die politischen Kräfte in der Regierung hätten schon den Willen, General Mladic auszuliefern. Sie wüssten nur nicht, wie sie das ihren Bürgern vermitteln könnten.
Es gehe ganz einfach um Popularität, um Innenpolitik. Und das wiederum sei Teil des Prozesses der Versöhnung mit der Vergangenheit.

Innenpolitisch haben die Regierenden in Belgrad nämlich zur Zeit noch ein anderes Problem: Am 21. Mai findet im Landesteil Montenegro die Volksabstimmung zur Unabhängigkeit statt – das heisst, zur Abspaltung aus dem Staatsverband mit Serbien.