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Ein Ex-Kommunist an der Spitze Italiens

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Ein Ex-Kommunist an der Spitze Italiens

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Zum ersten Mal in der Geschichte Italiens ist ein ehemaliger Kommunist in das höchste Staatsamt gewählt worden. Einer allerdings – das muss dazu gesagt werden – der als großer Modernisierer der Kommunistischen Partei gilt.

Zu den Erfahrungen seines politischen Lebens sagt Giorgio Napolitano selber: “Ich habe jene Positionen vertreten, die letztlich eine tief greifende Wandlung der kommunistischen Partei bewirkt haben: die Öffnung nach Westen und hin zu Europa und in der Konsequenz eine demokratische Dialektik.”

Politisch aktiv war der 1925 in Neapel geboren seit frühester Jugend. Als Student gründete er eine kommunistische Gruppe, die Widerstand leistete gegen den Mussolini-Faschismus.

1945 trat er der von Palmiro Togliatti geführten Kommunistischen Partei bei, gehörte neben Enrico Berlinguer zu den jungen Kadern der in jener Zeit in Italien sehr einflussreichen Kommunisten. 1953, da hatte Napolitano gerade sein Jura-Examen in der Tasche, wurde der junge Kommunist ins Abgeordnetenhaus gewählt.

Nachdem er schon in den 70er die Abkehr seiner Partei vom direkten Moskauer Einfluss hin zum Euro-Kommunismus führend mitgestaltet hatte, stand er auch nach dem Zusammenbruch des Kommunismus bei der Umwandlung der KP in eine sozialdemokratische Partei in erster Reihe.

1992 wurde Giorgio Napolitano für zwei Jahre zum Präsidenten der Abgeordnetenkammer gewählt.
Als 1996 Romano Prodi zum erstanmal mit einer Mitte-Links-Koalition die Regierungsgeschäfte übernahm, übertrag er dem erfahrenen Napolitano das Innenministerium.

Eine italienische Zeitung nannte den Mann, der neben politischen Reden auch gern Gedichte schreibt, einen “kühlen Politiker mit Künstlerherz.” Vielleicht ist es das, was Italien jetzt braucht.