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Machtwort und neue Vorwürfe in Frankreichs Clearstream-Affäre

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Machtwort und neue Vorwürfe in Frankreichs Clearstream-Affäre

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Kein Tag vergeht in Frankreich, ohne dass neue, bizarre Einzelheiten in der so genannten Clearstream-Affäre bekannt werden. In dem Skandal um angebliche Schmiergelder und Schwarzgeldkonten hat Staatspräsident Jacques Chirac jetzt offenbar genug; heute sprach er ein Machtwort:

“Die Republik ist doch keine Diktatur von Gerüchten und Verleumdungen. Die Republik ist das Recht, die Gerechtigkeit, und die Justiz muss die Fakten finden und Recht sprechen.” Dabei traf es Chirac heute selbst: Ein Zeitungsbericht schreibt ihm ein Millionenkonto in Japan zu, mit Geld von einer ominösen Kulturstiftung. Die Zeitung beruft sich auf Aussagen im Fall Clearstream; Chirac bestreitet alles. Ein anderer Bericht ortet die Quelle allen Übels: Von Jean-Louis Gergorin sollen die gefälschten Listen stammen, die Schwarzgeldkonten bei der Luxemburger Clearstream-Bank nennen. Der Mann ist ein Freund von Premierminister Dominique de Villepin und Spitzenmanager beim Luftfahrtkonzern EADS. Seinen Posten lässt er jetzt vorerst ruhen. Über eins der fraglichen Konten mit Schmiergeld aus einem Rüstungsgeschäft sollte auch Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy verfügen. Dass die Liste erfunden war, stellte sich schnell heraus; Villepin soll Sarkozy trotzdem nicht entlastet, sondern sogar noch gezielte Ermittlungen veranlasst haben. Jetzt bleibt der Verdacht an ihm hängen, dass er einem Konkurrenten schaden wollte, der nächstes Jahr ebenfalls Präsident werden will.