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Die EU und Lateinamerika - die Zuammenarbeit, die Perspektiven

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Die EU und Lateinamerika - die Zuammenarbeit, die Perspektiven

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Die Europäische Union ist der größte Geldgeber Lateinamerikas. Kurz vor dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union und des lateinamerikanischen Kontinents sprach EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner mit unserem Korrespondenten Sergio Cantone über die Zusammenarbeit der beiden Blöcke und die Perspektiven. Wichtigstes Anliegen der Union ist es, das Wohlstandsgefälle in Südamerika und der Karibik zu lindern.

EuroNews: Willkommen bei EuroNews! Das Gipfeltreffen in Wien ist auch deshalb wichtig, weil es zwischen einigen Staaten Lateinamerikas und einzelnen Mitgliedsländern der EU Spannungen gibt. Wie können sie gelöst werden?

Benita Ferrero-Waldner: Lateinamerika besitzt ein riesiges Potenzial und bei jedem Gipfeltreffen versuchen wir, dieses Potenzial weiter zu entwickeln. Wir haben bereits deutlich gemacht, dass wir den politischen Dialog verstärken wollen. Doch in Wien stehen zwölf wichtige Themen auf der Agenda, darunter die soziale Kohäsion, die Frage der regionalen Integration, die Vielseitigkeit sowie der Kampf gegen Drogen und gegen den Terrorismus.

EuroNews: Sie sprechen von zwölf großen Themen, darunter von der sozialen Kohäsion, der Vielseitigkeit und dem Kampf gegen Drogen. Insbesondere das erste Thema ist wichtig, denn der in einigen Staaten Südamerikas praktizierte Populismus ist auch eine Frage der sozialen Kohäsion. Im Zusammenhang mit den Drogen hat die Europäische Union diesen nicht nur in Lateinamerika den Kampf angesagt. Die Vielseitigkeit schließlich betrifft auch die Beziehungen zu den USA. Denken Sie, dass all diese Probleme bei dem Gipfeltreffen gelöst werden können?

Benita Ferrero-Waldner: In großen Zügen schon. Die Frage der Demokratie beispielsweise, ein für uns wichtiges Thema… Lateinamerika hat auf dem Weg der Demokratie große Fortschritte gemacht. Selbst wenn der Populismus einiger Regierungen in Lateinamerika nicht geleugnet werden soll, muss man einräumen, dass ihm demokratische Grenzen gesetzt sind – und das ist wichtig.

EuroNews: Wird auch den Entwicklungen in den Staaten Aufmerksamkeit geschenkt, die der Anden-Gemeinschaft angehören? Ich beziehe mich dabei besonderes auf die Haltung Venezuelas…

Benita Ferrero-Waldner: Wir sehen genau hin und, wie ich bereits gesagt habe, hat die Demokratie für uns Vorrang, sie ist äußerst wichtig. Sie kann unterschiedliche Formen haben, unterschiedlich gelebt werden. Uns geht es darum herauszufinden, wie bestimmte Themen angesprochen und danach gelöst werden können. Selbstverständlich möchten wir wissen, wie Präsident Chavez und der bolivianische Präsident Morales die bereits begonnene Nationalisierung durchführen wollen. Die Nationalisierung ist ein souveränes Recht eines jeden Staates, selbst wenn die Investitoren das Vertrauen verlieren und wenn ein solcher Vertrauenverlust wirtschaftliche Probleme für das betreffende Land zur Folge haben kann. All das kommt in Wien auf den Tisch und wird auch Thema anderer Treffen sein.

EuroNews: Spricht man von Lateinamerika, so kann man dabei die USA nicht außen vor zu lassen. Wie sehen Sie die Zukunft? Wird es möglich sein, mit den Vereinigten Staaten zu kooperieren oder kommt es in Lateinamerika zu einer Konkurrenz zwischen der Europäischen Union und den USA?

Benita Ferrero-Waldner: Einerseits arbeiten wir mit den USA in vielen Bereichen zusammen. Andererseits versuchen wir mit den Staaten Lateinamerikas zu kooperieren, wobei uns die biregionalen Beziehungen viele Möglichkeiten bieten. Das tun wir übrigens auch mit den Staaten der Anden-Gemeinschaft. Nicht zuletzt aber hängt diese Zusammenarbeit von den einzelnen Kooperationspartnern ab, ob diese dazu bereit sind. Wir sind dafür offen, doch alles hängt von unseren Partnern ab.

EuroNews: Politisch betrachtet stellt Brasilien eine Garantie für die Europäische Union dar, was jedoch nicht auch für die wirtschaftlichen Beziehungen zutrifft. Im Bereich der Landwirtschaft gibt es Spannungen.

Benita Ferrero-Waldner: Wir haben die Gespräche der Präsidenten Lula und Kirchner mit Präsident Morales in Iguazu aufmerksam verfolgt und sind der Ansicht, dass dieser Dialog in Wien fortgesetzt werden kann. Es besteht eine gute, positive Grundlage für einen solchen Dialog.

Wir verteidigen unsere Interessen, doch gleichzeitig wünschen wir mehr Dienstleistungen, die Liberalisierung des Marktes für Industrieerzeugnisse und für unsere landwirtschaftliche Produkte sowie eine Minderung der Subventionen. Das alles aber werden wir im Rahmen der MERCOSUR-Verhandlungen und in der Doha-Runde beraten.

EuroNews: Vielen Dank für das Gespräch.