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Montenegrinisches Unabhängigkeitsreferendum mit hoher Wahlbeteiligung

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Montenegrinisches Unabhängigkeitsreferendum mit hoher Wahlbeteiligung

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Montenegro hat am Sonntag über seine Unabhängigkeit von Serbien entschieden – und schon früh zeichnete sich das große Interesse der Wähler ab. Zu Mittag lag die Wahlbeteiligung bei fast 54 Prozent. Die EU hatte eine Beteiligung von mindestens 50 Prozent als eine Bedingung für die Gültigkeit des Referendums gefordert.

Ministerpräsident Milo Djukanovic gab seine Stimme in der Hauptstadt Podgorica ab. Er ist ein Befürworter der Unabhängigkeit und sieht den Staatenbund mit Serbien als Bremse für den Weg Montenegros in die EU und in die NATO. Djukanovics Gegner allerdings werfen ihm Verstrickungen in mafiöse Geschäfte vor. So wie Oppositionsführer Predrag Bulatovic, der die Unabhängigkeit ablehnt. Dies sei ein bloßer Versuch der Regierung, einen Privatstaat für Djukanovic zu schaffen, so seine Argumentation. Zudem hält er ein eigenständiges Montenegro letztlich für zu klein, um existieren zu können. Freilich geht das Land schon seit längerem eigene Wege. So hat Montenegro etwa ein von Serbien unabhängiges Rechtssystem und einen eigenen Dialekt. Es wäre die letzte Teilrepublik Jugoslawiens, die sich verselbständigt – und entsprechend mißtrauisch sieht man das Referendum in Belgrad. Insgesamt sind rund 480.000 Montenegriner zur Wahl aufgerufen. Mehr als 3000 internationale Beobachter überwachen den Ablauf des Referendums. Die hohe Wahlbeteiligung ist nach Ansicht von Experten auch ein deutliches Zeichen dafür, dass die Frage “Unabhängigkeit oder Fortführung des Staatenbundes” innerhalb der Bevölkerung außerordentlich emotional gesehen wird.