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Überlebender Geiselnehmer von Beslan zu lebenslanger Haft verurteilt

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Überlebender Geiselnehmer von Beslan zu lebenslanger Haft verurteilt

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Der einzige überlebende Geiselnehmer von Beslan, Nurpaschi Kulajew, ist von einem russischen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Als er zur Urteilsverkündung den Gerichtssaal betrat, wurde er von Angehörigen der über dreihundert Todesopfer bedrängt.Der Richter des höchsten Gerichts der Unruheregion Nord-Ossetien erklärte, der Angeklagte habe die Todesstrafe verdient, doch diese könne das Gericht wegen des geltenden Moratoriums nicht verhängen. Daher verurteile er Kulajew zu lebenslanger Haft. In Russland ist die Verhängung der Todesstrafe vorläufig ausgesetzt. Kulajew war bereits vor zehn Tagen in allen Anklagepunkten – darunter Mord, Geiselnahme und Terrorismus – schuldig gesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft und Angehörige der Opfer hatten die Todesstrafe gefordert. Anita Gadzieva vom Komitee der Mütter von Beslan sagte, die meisten Hinterblieben würden allein die Todesstrafe akzeptieren. Die Angehörigen sind mit der juristischen Aufarbeitung insgesamt unzufrieden; ihr Anwalt warf den Behörden erneut vor, die umfassende Aufklärung des Geiseldramas zu behindern. Dabei waren Anfang September 2004 331 Menschen ums Leben gekommen, darunter 186 Kinder. Tschetschenische Rebellen hatten eine Schule gestürmt und drei Tage lang besetzt gehalten; sie forderten den Abzug der russischen Truppen aus Tschetschenien. Bei der chaotischen Erstürmung des Gebäudes und nachfolgenden Kämpfen starben alle Geiselnehmer außer Kulajew. Dieser beteuerte in dem Prozess stets seine Unschuld.