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Interview mit Alejandro Toledo, Präsident von Peru

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Interview mit Alejandro Toledo, Präsident von Peru

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Für Alejandro Toledo endet nach 5 Jahren seine Amtszeit als Präsident von Peru.
Er war in ganz Lateinamerika der erste Nachfahre der Ureinwohner, der demokratisch zum Staatsoberhaupt gewählt worden war.
Vom Schuputzer zum Staatspräsidenten…
Eine direkte zweite Amtszeit verbietet die Verfassung.
Deshalb konnte Alejandro Toledo an dieser Präsidentschaftswahl nicht teilnehmen.
Ollanta Humala, einer der beiden Kandidaten für die Stichwahl am 4. Juni vertritt eine ähnlich nationalistisch-populistische Linie wie die Präsidenten Morales in Bolivien und Chavez in venezuela

EuroNews
Glauben Sie, dass Ihr Land nach den markt-orientierten Reformen jetzt die Richtung wechseln könnte, etwas so wie Bolivien und Venezuela ?

Alejandro Toledo
Wenn wie nicht in der Lage sind, das Anwachsen der Armut in Lateinamerika zu zügeln, dann könnte die Armut die Demokratie unterminieren.
Wenn wir zudem nicht fähig sind, die schlimmste Armut zu beseititgen, dann überlassen wir das Feld den Populisten.
Und Populismus – das ist wie ausufernde Party an einem Abend mit nachfolgender Beerdigung.
…wobei dann auch noch die Ärmsten die Beerdigungskosten zahlen müssten…
Darum brauchen wir ein stabiles Wirtschaftswachstum. Das ist Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck.
Die Vorzüge, die es uns bringt, brauchen wir zum Aufbau unserer sozialen Architektur, zum Abbau der Armut.

EuroNews
Sie sagen, das Volk habe immer gezahlt.
Meinen Sie damit, es sei an der Zeit, dass die ausländischen Investoren zahlen, mehr als das Volk?

Alejandro Toledo
Man kann die Armut mindern, indem man den Leuten Fisch kostenlos gibt.
Man kann aber auch den Armen beibringen, selbser Fische zu fangen.
Unser Land braucht ein Wirtschaftswachstum, um seine soziale Architektur errichten zu können.
Und dazu braucht man private, nationale und internationale Investitionen.
Voraussetzung für solche Investitionen sind klare Spielregeln:
Man braucht wirtschaftliche, politische und rechtliche Stabilität.
Und ganz besonders nötig ist dabei eine stabile Währung, das entspricht den Interessen der Investoren. Wir müssen den Wettbewerb um Kapital in der Welt mitmachen. Ohne Investitionen kein Wachstum, ohne Wachstum keine Arbeitsplätze, ohne Arbeitsplätze kein Einkommen und keine Steuereinnahmen.

EuroNews
Gerade auf diesem Gebiet sind die Peruaner nicht zufrieden. Warum?

Alejandro Toledo
Ja, das stimmt. In Umfragen bekomme ich nur elf oder zehn Prozent Zustimmung, weil ich eine Wirtschaftspolitik betrieben habe, die Verantwortungsbewusstsein schaffen soll.
Weil man zuerst das Saatgut, den Dünger, das Wasser bezahlen muss, bevor man an die Ernte denken kann. Das ist hart bis zur Ernte!

Ich habe den Preis bezahlt, aber laut Nachrichten von gestern ist mein Umfragewert auf 54 Prozent gestiegen. Das ist mehr als viermal so hoch wie im Vormonat. Das sage ich nicht triumphierend sondern als Fakt.

Die Region kann es sich nicht leisten, in Bedeutungslosigkeit zu versinken.
Opferbereitschaft und ein vorwärts gewandter Blick sind nötig. Man kann die Welt nicht einseitig betrachten. Wenn Erdöl Ihren Wettbewerbsvorteil darstellt, dann danken Sie Gott . Wenn Sie keins haben, müssen Sie das verkaufen , was Sie haben. Und das sind im Falle von Peru Landwirtschaftsprodukte, Tourismus. Dort kann man Arbeitsplätze schaffen.

EuroNews
Die Verhandlungen zwischen EU und Andenpakt über ein Handelsabkommen beginnen gerade.
Meinen Sie nicht, dass der Andenpakt vorher einige politische Probleme lösen muss?

Alejandro Toledo
Das Inka-Königreich, Bolivar, San Matin – sie haben die Integration befördert, mehr als alle Faktoren der Gegenwart.
Das will ich berücksichtigen, wie es Evo Morales und Hugo Chavez berücksichtigt haben.
Aber die Integration lässt zu wünschen übrig.
Darum sind wir alle nach Wien gefahren.
Ich bin nach 500 Jahren der erste von den Ureinwohnern abstammende Präsident, der demokratisch gewählt wurde.
Dadurch wird mir eine große Verantwortung auferlegt: – den wirtschaftlichen Abstand zu verringern, – der Wirtschaft die nötige Werkzeuge zu geben.

Wir halten Ausschau nach neuen Märkten,
wollen unseren Spargel auf europäische Tische bringen, unsere Mangos, unsere Grapefruits, unsere Avocados, Zitronen, Paprika….

Ja, wir sind bereit, unsere Produkte in die Europäische Union zu liefern.