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Interview mit dem Präsidenten Aserbaidschans, Ilham Alijew

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Interview mit dem Präsidenten Aserbaidschans, Ilham Alijew

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Aserbaidschan sei bekannt für drei Dinge, so meinen Beobachter: Öl, Öl und Öl. Und Korruption, sagen Kritiker. Kein schmeichelhaftes Zeugnis für den Staatspräsidenten Ilham Alijew.

Das nördliche Nachbarland des Iran ist für den Westen indes strategisch von größter Bedeutung.

Ende Mai nahm Alijew am NATO-Parlamentariertreffen in Paris teil. Gelegenheit für EuroNews zum Interview.

EuroNews: Die Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan soll im September operationell sein.

Welche Änderungen sind dann auf der europäischen und globalen Energie-Landkarte zu erwarten?

Alijew: Es wird für Aserbaidschan einen enormen wirtschaftlichen Schub geben, den wir bereits spüren. Es wird Milliarden an Investitionen geben.

Denn für Aserbaidschan ist es die Gelegenheit, sein Erdöl auf die Weltmärkte zu liefern. Bis heute konnten wir das Öl nur bis zum Schwarzen Meer bringen. Der Transport kaspischen Öls zum Mittelmeer ist daher von historischer Bedeutung.

Als Folge wird die regionale Kooperation gestärkt – ebenso die Stellung Aserbaidschans, wirtschaftlich, wie auch politisch, und zwar auf Jahre hinaus. Unser Land steht also vor Jahrzehnten einer stabilen Entwicklung.

EuroNews: Es gibt Hinweise, wonach die USA in Aserbaidschan militärisch Flagge zeigen wollen – in der Luft wie auch auf dem Kaspischen Meer. Wie schätzen Sie diese Informationen ein und wie beschreiben Sie Ihr Verhältnis zu Washington?

Alijew: Unsere Beziehungen entwickeln sich sehr dynamisch. Die USA und Aserbaidschan sind strategische Partner.

Wir arbeiten in vielen Bereichen zusammen, etwa in der Wirtschaft und in der Energiepolitik. Aber auch bei der Stärkung von Sicherheitsmaßnahmen und bei der Entwicklung des Demokratisierungsprozesses in unserem Land und der ganzen Region. Und schließlich gibt es die militärische Kooperation.

Unsere Beziehungen sind also vielfältig. Was die militärische Präsenz eines fremden Staates auf dem Territorium Aserbaidschans angeht, so steht dieses Thema nicht auf der Tagesordnung.

EuroNews: Vor zwei Wochen haben Sie auf dem GUAM-Gipfeltreffen Georgiens, der Ukraine, Aserbaidschans und Moldawiens erklärt, dieser Zusammenschluss sei nicht gegen Moskau gerichtet. Für was steht GUAM denn sonst?

Alijew: Jeder Beitritt zu internationalen Gremien wird – wie für jedes andere Land auch – von einer maximalen Interessenvertretung diktiert. In diesem speziellen Fall existieren zwischen den einzelnen GUAM-Mitgliedern sehr wichtige regionale Projekte. Diese Projekte laufen bereits.

Wenn wir nun unsere Anstrengungen auf wirtschaftliche, energiepolitische und verkehrspolitische Fragen konzentrieren, werden alle davon profitieren. Die Behauptungen, die beweisen wollen, dass diese Union gegen irgendjemanden gerichtet sei, sind schlicht falsch.

Aserbaidschan hat noch nie Organisationen angehört, die gegen wen auch immer gerichtet gewesen wären. Und wir haben nicht die Absicht, dies in der Zukunft zu ändern.

Unsere Beziehungen zu Russland sind auf gutem Wege, und darüber freuen wir uns. Wir denken, dass dies hervorragend den Interessen unserer beiden Länder dient.

EuroNews: Einige Beobachter sagen, alle GUAM-Staaten hätten Probleme mit der territorialen Integrität. Bei Aserbaidschan ist es das Problem Berg-Karabach. Wie könnte hier eine Lösung aussehen?

Alijew: Es stimmt, alle regionalen und ethnischen Konflikte der nach-sowjetischen Ära spielten und spielen sich in den GUAM-Staaten ab.

Berg-Karabach ist wirtschaftlich und staatsrechtlich aserbaidschanisches Territorium. Und die territoriale Integrität Aserbaidschans wird von den Vereinten Nationen anerkannt – von allen Staaten anerkannt, nur nicht von Armenien, das sich unserem Land gegenüber aggressiv verhalten hat.

Als Folge dieser Aggression und der Politik der ethnischen Säuberung sind mehr als eine Million Aserbaidschaner zu Flüchtlingen geworden. Das ist eine humanitäre Katastrophe von gewaltigem Ausmaß. Ein unerträglicher Akt der Besetzung fremden Territoriums. Die territoriale Integrität Aserbaidschans muss vollständig und ohne jede Vorbedingung wiederhergestellt werden.

EuroNews: Im vorigen Jahr hat Zypern die Teilnahme Aserbaidschans an dem Programm “Das größere Europa – neue Nachbarschaften” blockiert. Warum? Wie sind Ihre Beziehungen zu Brüssel?

Alijew: Wir haben mit allen Staaten der Europäischen Union hervorragende Beziehungen, ganz besonders mit den größten Ländern. Was die Versuche, angeht, Aserbaidschan auszuschließen, so bleiben diese ohne Folgen. Es ist unmöglich, uns zu blockieren, weil es unmöglich ist, die Energieressourcen zu blockieren.

Deswegen glaube ich, dass bestimmte Vorwürfe einiger Länder, unberechtigte Vorwürfe, unsere Zusammenarbeit nicht beeinflussen dürfen.

Von der Kooperation mit der EU profitieren beide Seiten. Der Ausbau dieser Kooperation ist für Aserbaidschan und für die EU von Nutzen. Es ist wichtig für die EU, Aserbaidschan unter seinen Partnern und treuen Freunden zu haben.

EuroNews: Herr Präsident, vielen Dank für dieses Gespräch.