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Montenegro als Beispiel oder Verlockung?

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Montenegro als Beispiel oder Verlockung?

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Das serbische Parlament in Belgrad hat die Schlußfolgerungen aus der Unabhängigkeitserklärung von Montenegro gezogen.
Eine besonders wichtige ist, Serbien übernimmt die Rechtsnachfolge des zerfallenen Staatenbundes und damit auch dessen Plätze in internationalen Organisationen. Praktisch ist als Folge der Volksabstimmung in Montenegro nun auch Serbien unabhängig, auch wenn das Belgrad nicht so nennt.
Während also Europas jüngster Staat die EU, die Vereinten Nationen und andere Staaten um Anerkennung bittet, machen sich die einstigen Geburtshelfer des so kurzlebigen Staatenbundes Sorgen. Im März 2002 hatten EU, NATO und alle sonst in die Balkankonflikte involvierten Kräfte gehofft, wenigstens einen Rest vom ehemaligen Jugoslawien vor dem völligen Zerbröseln bewahren zu können. Man hatte einen bestimmten status quo festschreiben wollen – ähnlich wie 7 Jahre zuvor mit dem Dayton-Abkommen für Bosnien-Herzegowina. Und nun? Die Konfliktherde sind nicht weniger geworden.
Im Kosovo gärt es. Immer wieder werden Übergriffe auf serbische Einwohner gemeldet. Die fürchten nichts so sehr wie die von der albanischen Mehrheit angestrebte Unabhängigkeit der serbischen Provinz.

Die Serben waren einst die dominierende Volksgruppe im alten Jugoslawien. Ähnlich wie Russen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion leben Serben in diversen neuen Staaten als Minderheit. Nur in Bosnien-Herzegowina haben sie ihre eigene Republik innerhalb eines Staatenbundes. In dessen Hauptstadt Sarajewo ist nun die Sorge zu hören, die Unabhängigkeit von Montenegro würde die Stabilität verändern, könnte Serben und die Republika Srpska auf ähnliche Gedanken bringen.

Laut Dayton-Abkommen gilt die “Republik der bosnischen Serben” mit ihrer Hauptstadt Pale als unabänderlicher Bestandteil des Staates Bosnien-Herzegowina. Aber welcher völkerrechtliche Vertrag gilt schon für die Ewigkeit?.