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Erstmals Selbstmorde in Guantanamo

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Erstmals Selbstmorde in Guantanamo

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Erstmals haben im umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo drei Häftlinge Selbstmord begangen. Nach Angaben des amerikanischen Militärs wurden die zwei Männer aus Saudi-Arabien und der Jemenit erhängt in ihren Zellen aufgefunden. Wiederbelebungsversuche seien gescheitert. Einer der Anwälte der saudischen Häftlinge äußerte Zweifel daran, dass ein Gefangener in einer US-Militärhaftanstalt unbemerkt Selbstmord begehen könnte. In der Vergangenheit hatte es bereits mehrere Hungerstreiks gegen die Haftbedingungen in Guantanamo gegeben. Der ehemalige Guantanamo-Häftling Shafiq Rasul aus Großbritannien sah den Hintergrund für die Selbstmorde in der Verzweiflung, die im Lager herrsche. Man wisse nicht, was geschehe und geschehen werde. Tag für Tag müsse man sich sagen lassen, man sei ein Terrorist – auch wenn man wisse, dass man nichts Falsches getan habe. Er sei selbst in dieser Situation gewesen und wisse, was dort vor sich gehe. Er habe stärker sein müssen, denn er habe gewusst, dass daheim seine Familie auf ihn warte. Der Kommandant des Lagers bezeichnete die Selbstmorde indes als “überlegten Akt des Krieges gegen die USA”. Shami Chakrabati von der Menschenrechtsorganisation Liberty sah in dieser Reaktion ein – so wörtlich – “völliges Fehlen von Mitgefühl”. Diese Worte seien gefährliche Hetze. Man kenne die Lebens-Bedingungen in Guantanamo, Leben ohne Hoffnung sei unerträglich. In dem Lager in Kuba werden derzeit zum Teil schon seit vier Jahren mehr als 460 Häftlinge festgehalten. Gegen sie wurde noch keine Anklage erhoben. Die USA gestehen ihnen weder die Rechte von Kriegsgefangenen zu, noch jene, die Straftäter in den USA besitzen.