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Interview mit Karen Hughes,

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Interview mit Karen Hughes,

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Under secretary, Public Diplomacy and Public Affairs – U.S. Departement of State

Sie steht für Präsidents Bushs Charme-Offensive gegenüber Europa.
Karen Hughes, ihres Zeichens stellvertretende Außenministerin, zuständig für Kommunikation und Medien.
Seit zwei Jahren bemüht sie sich, der Welt die friedfertige Seite der US-Führung zu zeigen.
Derzeit sucht sie in Brüssel das Gespräch mit EU-Kommissaren, um auf ihre Weise den EU-USA-Gipfel vorzubereiten.

EuroNews
Hat sich die Kommunikationsstrategie der Bush-Administration in den vergangenen 2 Jahren geändert?

Karen Hughes
Ich habe sehr hart gearbeitet, um das zu ändern.
Wir hatten gemerkt, dass wir es besser machen müssen.
Ich sehe meinen Job als Dialog, als Amerikas Gespräch mit der Welt.
Ich sage “Gespräch”, weil es oftmals mehr auf`s Zuhören ankommt als auf`s Reden.
Weil es darauf ankommt, Respekt gegenüber anderen Ländern und Kulturen zu zeigen.
Wenn ich ein Land besuche, höre ich die meiste Zeit zu.
Hier in Brüssel bin ich, um Europa zuzuhören.

EuroNews
Warum hat die Bush-Regierung ihre Kommunikationsstrategie geändert?

Karen Hughes
Es ist die verspätete Einsicht unsererseits, dass wir beim Thema Irak grundlegende Meinungsverschiedenheiten mit unseren Partnern haben….und mit Menschen rund um den Globus.
Wir erkannten, dass auch im eigenen Land zu den Entscheidungen des Präsidenten, dazu, was er als beste Lösung nicht nur im Interesse unserer eigenen Sicherheit sondern auch jener im Irak und in der Welt ansah, andere Meinungen existierten.
Ungeachtet dieser Meinungsverschiedenheiten, bei denen die Tendenz vorherrschte, nicht darüber zu reden, glaube ich, die wichtigste öffentliche diplomatische Gelegenheit in den zehn Monaten meiner Arbeit im State Departement kam mit Amerikas Entscheidung in Sachen Iran:
Die Entscheidung, sich mit unseren europäischen Partenern zusammen an den Verhandlungstisch zu setzen.

EuroNews
Ist die neue Kommuniskationsstrategie ein Ergebnis der neuen Haltung der Europäer zum Atom-Streit mit dem Iran und hat sie auch mit dem toten Punkt zu tun, an dem die Amerikaner im Irak angelangt sind?

Karen Hughes
Ich halte es für unfair, es nur darauf zurückzuführen.
Es ist wirklich die Erkenntnis, die wir aus den Herausforderung gezogen haben.
Wir sind stärker, wenn wir denen gemeinsam gegenübertreten.

EuroNews
Stellt denn die neue Kommunikationsstrategie einen Wechsel von der harten zur weichen Linie dar?

Karen Hughes
Ich denke, beides ist wichtig.
In einigen Fällen bedarf es der militärischen Aktion.
Ich würde aber bestreiten, dass das auf alle Fälle zutrifft….
und ich würde bestreiten, dass Präsident Bush versucht hat, die ganze Welt auf seine Linie zu bekommen.
Ich denke, der Präsident hat seine ganze Präsidentschaft über darauf hingearbeitet, bei anderen Staatsmännern Verständnis zu finden.
Er hat erkannt, wie wichtig das ist.
Das ist einer der Gründe, warum er mich ins State Departement berufen hat:
Weil die öffentliche Diplomatie so sehr wichtig ist.

EuroNews
Welche Rolle spielt beim Krieg gegen Terror und Fundamentalismus die Erziehung?

Karen Hughes
Erzeihung ist absolut lebenswichtig, weil die gewalttätigen Extremisten keinen offenen Geist wollen.
Für sie gilt: es gibt nur ihren Weg oder gar keinen.

Selbst Glaubensbrüder werden verfolgt und getötet, wenn die den Glauben auf andere Weise ausüben.
Sie wollen, dass ein sehr enger, begrenzter, intoleranter Geist herrscht.
Wir wollen einen offenen Geist, wir wollen gebildete Menschen, die für sich selbst entscheiden können.

EuroNews
Aber viele dieser Leute, dieser Selbstmordattemtäter, besonders jene vom 11. September…..

Karen Hughes
…die haben sich selbst erzogen.
Sie wollen ihre Ideologie dem Rest der Welt aufzwingen.
Sie wollen ihre totalitäre Vorstellung von der Gesellschaft dem Rest der Welt aufzwingen, diesen Mangel an politischer und religiöser Freiheit.
Sie wollen so ein totalitäres Reich wiedererichten, wie wir es in Afghanistan gesehen haben.

EuroNews
Welche Rolle spielt das Internet in diesem Krieg zwischen Demokratie und Fundamentalismus?

Karen Hughes
Es gibt da einige web-sites, an denen ich gesehen habe, wie effektiv die Terroristen das Internet nutzen.
Hilfreich beim Planen ihrer Operationen, um unterhalb des Radarschirm operieren zu können.
Sie nutzes es, wie ich gesehen habe, für Propagandavideos.
Und sie haben dadurch ein Umfeld aus jungen Leuten herangezogen, die ihre Sache unterstützen.

Andererseits kann das Internet ein sehr wirksames Mittel sein, um jungen Menschen den Zugang zur Welt außerhalb der eigenen Nachbarschaft zu öffnen.