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William Lacy Swing


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William Lacy Swing

Die MONUC ist die größte Friedensmission, die die Vereinten Nationen je entsandten: Mehr als 17.000 Blauhelm-Soldaten und über 3.000 zivile Mitarbeiter sind in der Demokratischen Republik Kongo im Einsatz.

William Lacy Swing, dem Chef der Mission, und seinen Leuten steht eine gewaltige Aufgabe bevor: Am 30. Juli finden im früheren Zaire, das so groß ist wie ganz Westeuropa zusammen, die ersten freien Parlaments- und Präsidentswahlen nach über vierzig Jahren Diktatur und Bürgerkrieg statt.

Die größte Oppositionspartei boykottiert sie. Im Vorfeld haben die Spannungen zugenommen. Trotz des offiziellen Friedens kämpfen die Rebellen im Osten weiter. Dort sind die meisten Blauhelmsoldaten stationiert. Die Kongolesen werden in einem Klima der Unsicherheit wählen.

EuroNews:
“Der Wahltag kommt näher. Fürchten Sie blutige Auseinandersetzungen?”

William Lacy Swing:
“Nein, wir erwarten, dass die Wahlen in einer ruhigen Atmosphäre stattfinden. Die kongolesische Bevölkerung hat lange brennend darauf gewartet, und ich gründe meine Erwartung auf die große Zahl von Menschen, die sich in die Wahllisten einschreiben ließen – fast 26 Millionen von 28 Millionen Wahlberechtigten, das ist phänomenal! – und auf die Tatsache, dass sie auch schon zum Referendum zuvor gekommen sind. Wir dürfen nicht vergessen, dass das nicht wie in Europa oder in der westlichen Welt ist: Die Leute müssen hier manchmal 30 bis 40 Kilometer zu Fuß zurücklegen und fünf bis sechs Stunden Schlange stehen, um registriert zu werden und wählen zu können. Das ist schon ein Opfer!”

Euronews:
“Der kritische Tag ist nicht so sehr der Wahltag, sondern die Tage danach. Was wird da geschehen?”

William Lacy Swing:
“Absolut richtig. Es muss eine gute Wahl sein, aber auch eine gute Situation danach. Und um das zu erreichen, brauchen Sie großmütige Gewinner – und Verlierer, die das Ergebnis einer guten Wahl akzeptieren. Und die Wahl muss gut werden!”

EuroNews:
“Es wird immer noch gekämpft, speziell im Osten der Republik. Was läuft schief? Haben Sie die Lage immer noch unter Kontrolle?”

William Lacy Swing:
“Ich denke, wir haben sie unter Kontrolle. Und mit wir meine ich die kongolesische Armee mit Unterstützung einer großen UN-Truppe von rund 17.000 Mann. Circa 85 Prozent dieser 17.000 sind im Osten stationiert. Wir führen gemeinsame Militäroperationen durch. Der Widerstand konzentriert sich auf isolierte Nester in den Provinzen Nord – und Süd-Kivu und im Ituri-Distrikt. Es sind hier immer noch gut 9.000 ausländische bewaffnete Elemente/ Kämpfer unterwegs.”

EuroNews:
“Warum?”

William Lacy Swing:
“Einige sind da, weil sie fürchten, vor Gericht zu kommen. Viele waren am Völkermord beteiligt. Sie haben Angst, in ihre Heimat, zumeist nach Ruanda, zurückzukehren. Und viele, die nach Hause möchten, können das nicht, weil ihre Kommandanten sie nicht gehen lassen. Wir versuchen, sie heraus zu bringen. Wir haben schon 13.000 repatriiert, und sind zuversichtlich, dass andere ihnen folgen. Aber das wird eine Weile dauern.”

EuroNews:
“Warum erbitten Sie nicht mehr Unterstützung von der Europäischen Union? Warum nicht mehr Männer, mehr Soldaten, die in den Kongo geschickt werden?”

William Lacy Swing:
“Man muss den Kontext sehen, in dem die UNO bei der EU um Verstärkung angefragt hat. Dies diente dazu, die Sicherheit bei den Wahlen zu gewährleisten. Es geht nicht darum, die ausländischen Milizen loszuwerden, das ist etwas Anderes. Das ist auch der Grund, warum die Soldaten aus Europa eher im Westen stationiert werden als im Osten, wo wir, die MONUC, die meisten Soldaten haben.”

EuroNews:
“Wie ist Ihre Sicherheitsanalyse für den August?”

William Lacy Swing:
“Ich denke, das wird halbwegs in Ordnung sein. Wir haben natürlich nicht so viel Polizei und Militär, wie es wünschenswert wäre. Aber sie haben große Fortschritte gemacht. Bislang haben wir und andere – dazu gehören auch europäische Staaten und die EU – bei der Ausbildung von 40.000 kongolesischen Soldaten geholfen. Bis zu den Wahlen dürften es 50.000. Sie haben etwa 111.000 von 190.000 Soldaten entlassen. Jetzt haben sie zwölf neue, ethnisch gemischte Brigaden gebildet. Es fehlt ihnen an Ausrüstung und vielem anderen, aber sie sind präsent.”

EuroNews:
“Schauen wir uns die kongolesische Armee genauer an: Es sind auch Ex-Milizen darin. Haben Sie Vertrauen in die kongolesische Armee? Oder, um es anders herum auszudrücken: 70 Prozent der Menschenrechtsverletzungen gehen auf das Konto der kongolesischen Armee. Wie kann man dieses Problem angehen?”

William Lacy Swing:
“Sie halten den Finger auf das wahre Problem. Wir können die Integration der Milizen durch Trainingsprogramme unterstützen. Aber dann muss man eine Verwaltungs-Struktur schaffen, wie von der EU empfohlen, die regelmäßige Besoldung und Verpflegung sicherstellt – das ist das erste. Dann die Frage, wie man angemessene logistische Unterstützung findet – Fahrzeuge, Ausrüstung und Munition. Und solange wir das nicht haben, ist es für uns sehr schwer, unsere Operationen durchzuführen. Aber die Arbeit geht voran und wird im Zeitplan liegen.”

EuroNews:
“Wie läuft Ihre Kooperation mit der Europäischen Union ab? Was sieht das aus, wenn MONUC und EU-Truppen zusammenarbeiten?”

William Lacy Swing:
“Nun, sie werden unter ihrem eigenen Kommando stehen. Wir haben eine enge Zusammenarbeit, wir haben eine klare Absichtserklärung. Die Kommandeure von Monuc und EUFOR arbeiten gut zusammen, sie haben miteinander gesprochen und hier gemeinsame Besuche abgehalten. Die europäische Truppe ist nicht nur eine Verstärkung, sie bringt uns Kapazitäten, die wir derzeit gar nicht haben, und daher wird das gut funktionieren.”

EuroNews:
“Wann wird der Konflikt beendet sein – wann können Sie sagen: So, die Mission ist abgeschlossen, wir können nach Hause gehen?”

William Lacy Swing:
“Was passiert, wenn Sie gute Wahlen haben? Zweierlei: Erstens steigt die Erwartung der Bevölkerung enorm, und die internationale Unterstützung lässt nach, denn viele Menschen sehen Wahlen als Ausgangstür, und das ist tatsächlich ein Neuanfang. Deshalb müssen wir jetzt dafür sorgen, dass die internationale Gemeinschaft, insbesondere die Vereinten Nationen, am Ball bleiben, und dafür müssen wir weiter Ergebnisse erzielen, die den Prozess glaubwürdig bleiben lassen und die auch die Glaubwürdigkeit dieser Mission wahren. Wir haben also noch eine Menge Arbeit vor uns.”

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