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Zwiespältige Reaktionen nach Chirac-Interview

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Zwiespältige Reaktionen nach Chirac-Interview

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War es ein Auftritt der Stärke oder der Schwäche – die Meinungen sind geteilt nach dem Interview von Frankreichs Präsident Jacques Chirac. In seinem ersten Fernsehinterview seit knapp einem Jahr hatte sich Chirac eine dritte Amtszeit offengehalten, sich aber vor allem hinter die Regierung unter dem auch im eigenen Lager umstrittenen Premierminister Dominique de Villepin gestellt.

Er habe der Regierung einen Plan vorgegeben, sagte er; und die Regierung arbeite mit Erfolg nach diesem Plan – er habe also keinen Grund, sie davon abzuhalten, ihre Arbeit mit Entschlossenheit fortzusetzen. Die Opposition zeigte sich von Chiracs Erfolgsmeldung wenig überzeugt. Ein Sprecher der Sozialisten sagte, Chirac denke als einziger Franzose, dass alles gut sei – dass die Regierung gut arbeite, dass man vorankomme und keine Zeit verliere. Chirac habe offensichtlich die Wut der letzten Monate nicht verstanden, die Proteste, die das Land ergriffen hätten, und noch nicht einmal die Kritik aus seiner eigenen Mehrheit. Die Regierung war in den letzten Monaten unter starken Druck geraten: unter anderem durch die Unruhen in den Vororten, die so genannte Clearstream-Affäre und die damit verbundene Rivalität von Premierminister und Innenminister im Kampf um die Präsidentschaft. Gewählt wird im Mai nächsten Jahres.