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Saddam Hussein wegen Massaker an Kurden vor Gericht

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Saddam Hussein wegen Massaker an Kurden vor Gericht

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Im zweiten Prozess gegen Saddam Hussein und seine Helfershelfer wird es auch um dieses Dorf gehen. Sewsenan liegt im Nordosten des Irak, nahe der iranischen Grenze. Am 22. März 1988 setzte hier die irakische Armee Giftgas gegen die eigene Zivilbevölkerung ein. Vergeltung mit Senfgas und Sarin, weil die Kurden im Krieg gegen den Iran mit den Feind sympatisiert hatten.

70 Gräber auf dem Dorffriedhof erinnern an den schlimmsten Tag in der Geschichte dieser kleinen Gemeinde. Unter den Toten sind Frauen und Kinder. 300 Familien lebten vor dem Massaker hier – nur 70 sind geblieben.

“ Wir flohen vor dem Chemieangriff – und gerieten dabei in eine Falle. Die Soldaten warteten schon.”, berichtet Atiya Rada, die sich selbst als “eine Überlebende” nennt, “die alles Lebendige verloren hat.”

Die Operation hiess “Anfal” – zu deutsch: “Kriegsbeute”. Ermordet wurden mindesten 50.000 Menschen, vielleicht sogar hunderttausend. Tausende wurden verschleppt. Gegen 25 Kurdendörfer wurde Giftgas eingesetzt. Zweitausend Orte wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Saddams Cousin Ali Hassan al-Madschid trägt seither den Spitznamen “Chemie-Ali”. Er gab auch am 16.März 1988 die Befehle, als beim größten Gasangriff auf Zivilisten in der kurdischen Stadt Halabdscha 5.000 Menschen starben.

“Chemie-Ali” war Generalsekretär der Baath-Partei im Norden des Irak, wo er auch die “verbotenen Zonen” schuf, aus denen die zumeist kurdischen Einwohner vertrieben oder gleich an Ort und Stelle hingerichtet wurden.
Noch immer sind nicht alle der in Massengräbern verscharrten Opfer identifiziert.

In den nord-irakischen Kurdengebieten gedachten die Menschen heute zum Prozeßauftakt ihrer Toten.
Auch hier im Dorf Kalar leiden sie immer noch an den Folgen von Saddams chemischer Kriegsführung gegen das eigene Volk.
Die Entschädigung, die sie bisher erhalten haben, beträgt weniger als einhundert euro pro Person.

Vertrieben – oder gleich an Ort und Stelle ermordet. In die Zeit des “Anfal”-Terrors fällt auch der Angriff auf die Stadt Halabdscha an der iranischen Grenze. Dort erstickten mindestens 5.000 Menschen am Giftgas.