Eilmeldung

Eilmeldung

Afghanistan: Spirale der Gewalt dreht sich weiter

Sie lesen gerade:

Afghanistan: Spirale der Gewalt dreht sich weiter

Schriftgrösse Aa Aa

Bei einem Selbstmordanschlag gegen ausländische Truppen in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind der Attentäter und mindestens vier afghanische Zivilisten getötet worden. Sieben Afghanen seien bei der Explosion verletzt worden, sagte ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums. Unklar war zunächst, ob es auch unter den ausländischen Soldaten Opfer gab. Bei den schwersten Kämpfen seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 sind in den vergangenen Tagen mehr als 200 radikal-islamische Rebellen getötet worden. Vier kanadische Soldaten der NATO-geführten Internationalen Schutztruppe ISAF starben. Ein ISAF-Sprecher sagte, die Truppe habe bei ihrer laufenden Operation Medusa schwere Artillerie eingesetzt und Luftangriffe geflogen; mehr als achtzig Rebellen seien gefangen genommen worden.

Fünf Jahre nach Beginn des Kampfes gegen den Terror und gut zwei Jahre nach dem von US-Präsident George W. Bush verkündeten “ersten Sieg im Krieg gegen den Terrorismus” eskalieren in Afghanistan die kriegerischen Auseinandersetzungen. Besonders fatal: Im Operationsgebiet in der südlichen Region Kandahar gilt der Ehrenkodex der Paschtunen. Er schreibt Rache für getötete Verwandte vor. So treten schätzungsweise für jeden getöteten Afghanen zehn Angehörige der radikal-islamischen Bewegung bei. Zudem treibt offenbar die Armut viele Menschen den Rebellen in die Arme.

Gleichzeitig ist der Drogenanbau in Afghanistan nach Ansicht der Vereinten Nationen auf ein Allzeithoch gestiegen ist – das Land bestreite die globale Produktion des Grundstoffes von Heroin inzwischen fast im Alleingang. Mit den Drogengeldern würden nicht nur internationale Drogenkartelle, sondern auch Aufständische finanziert – die afghanische und internationale Soldaten und Zivilisten töteten.

Wachsende Kriminalität und lokale Machthaber bedrohen auch die Arbeit der Helfer in Afghanistan. Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind im Jahr 2006 bereits 27 von ihnen getötet worden, nach 31 im ganzen vergangenen Jahr. In keinem anderen Land der Welt kämen mehr Helfer gewalttätig ums Leben.

Am Wochenende waren 14 britische Soldaten bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Nach offiziellen Angaben hat es auf einem Aufklärungsflug technische Probleme gegeben. Die Maschine sei nicht abgeschossen worden.