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Türkei bei UNIFIL

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Türkei bei UNIFIL

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Diese Leute sind gegen jede Entsendung von türkischem Militär in den Libanon, und sei es nur die Marine. So wie sie denken 80 Prozent der türkischen Bevölkerung.
Besonders fürchten die Bürger, ihre Soldaten könnten in Konfrontation mit der Hisbollah geraten.
Das hat Regierungschef Erdogan ausdrücklich ausgeschlossen. An der Entwaffnung der Hisbollah werden sich türkische Soldaten nicht beteiligen.
Sonst hätte er nicht die erforderliche Mehrheit der Stimmen im Parlament für die UNIFIL-Beteiligung bekommen.
Die Opposition stimmte dagegen, aber die Mehrheit der eigenen Fraktion stimmte zu.

Die Militärs hat Erdogan dabei auf seiner Seite.
Sie sind durchaus daran interessiert, dass die zweitgrößte Armee in der NATO mehr internationales Gewicht bekommt.
Ihre Losung dabei lautet: Frieden daheim sichern – Frieden auch außerhalb sichern.
In diesem Sinne sind türkische Soldaten auch schon an internationalen Einsätzen im Kosovo und in Afghanistan beteiligt.
Am Hindukusch stellt die Türkei das dritt-größte Kontingent – und das einzige aus einem islamischen Land.
Ihre wohlausbalanzierten Beziehungen sowohl zu islamischen wie zu christlichen Ländern – und auch zum jüdischen Staat geraten der Türkei dabei zum Vorteil.
Israel und Türkei sind füreinander der jeweils wichtigste Wirtschaftspartner in der Region.
So sprechen Beobachter auch von der “Brückenfunktion” der Türkei als größtes Land in dieser Region zwischen westlichem Europa
und instabilem Nahen Osten.
Das mit der Nähe darf man aus türkischer Sicht durchaus wörtlich nehmen – von der türkischen zur libanesischen Grenze sind es keine 200 Kilometer.

Auch angesichts der Probleme, die die Türkei noch mit der EU hat – zum Beispiel in Sachen Nord-Zypern – dürfte ein Libanon-Einsatz zumindest das Verhandlungsklima verbessern.