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Janukowitsch: Ukraines muss Bindeglied zwischen Europa und Russland sein

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Janukowitsch: Ukraines muss Bindeglied zwischen Europa und Russland sein

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Fast zwei Jahre nach seiner Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen in der Ukraine ist Viktor Janukowitsch wieder an der Macht – als Regierungschef. Mit seinem damaligen Widersacher Viktor Juschtschenko muss er sich die Führung des Landes teilen. Eine Aufgabe nicht ohne Risiken. Denn beide sind dem Erfolg verpflichtet – die Ukraine erwartet dies. Und Europa auch EuroNews sprach mit Janukowitsch in Brüssel.

EuroNews: Wie sehen Sie Ihre Rückkehr zur Macht – mit Gunugtuung?

Janukowitsch: Ich denke, ich habe die Politik nie verlassen. Aber ich habe natürlich in anderer Form einen neuen Start gehabt. Denn natürlich begann mein Dasein als echter Politiker erst mit den Präsidentschaftswahlen 2004. Und ich füge hinzu: während meiner Oppositionszeit. Ich glaube, dass man erst überhaupt einige Zeit in der Opposition verbracht haben muss, um als wirklicher Politiker zu gelten.

EuroNews: Mit wem war die Arbeit denn leichter, Kutschma oder Juschtschenko?

Janukowitsch: In dem politischen System, das wir bis 2006 hatten, gab es einen Präsidenten und eine Regierung – und natürlich wurde die Verantwortung hin- und hergeschoben. Der Präsident glich dabei eher einem Turner, denn er musste sich stets lang mach und strecken. Die Regierung zog ihn in eine, das Parlament in eine andere Richtung. Unter diesem System hatten das Land und die Bürger zu leiden. Kurz gesagt, es war nicht sehr wirkungsvoll.

EuroNews: In wieweit haben sich unter dem Einfluss Ihrer Partei Außen- und Innenpolitik geändert?

Janukowitsch: Ich denke, dass sich die grundsätzliche Richtung nicht geändert hat. Was sich aber geändert hat und noch weiter ändern wird, ist unsere politische Taktik. Diese wird konkreter werden und dynamischer. Unsere Aufgabe ist es, die Politik berechenbarer zu machen. Das sollte das Ziel unserer gesamten Reformpolitik sein. Wir haben erstmals seit der ukrainischen Unabhängigkeit einen echten Mechanismus, der Regierung und Parlament zusammenarbeiten lässt. Was 2004 während der orangenen Revolution geschah, war ein gewaltiger Volksausbruch, ein enormes Ventil, das sich öffnete. Die Menschen hatten einfach zu viele negative Ressentiments gegenüber der Politik entwickelt. Und deswegen wollten die Menschen den Wechsel. Und zwar die Unterstützer der orangenen Revolution wie auch die Anhänger meiner Partei.

EuroNews: Nun haben wir ein “Land, zwei Victors”. Beide müssen Zugeständnisse machen. Wozu waren Sie bereit?

Janukowitsch: Beide Seiten mussten ihre Fehler aus den vergangenen beiden Jahren einräumen. Das ist uns auch gelungen. Es waren dazu aber langwierige Verhandlungen notwendig, die manchmal bis weit in die Nacht gingen. Ich stelle fest: Es gibt zwischen uns mehr Gemeinsames als Trennendes. Und das erlaubt uns die Zusammenarbeit. Es wäre ohnehin nicht möglich gewesen, dass wir uns auf ewig bekämpft hätten. Am Ende muss man zur Eintracht finden. Politiker müssen dafür zu Opfern bereit sein.

EuroNews: In Brüssel ist man der Ansicht, dass der Weg der Ukraine nach Europa durch die WTO führt. Wie ist hier der Verhandlungsstand?

Janukowitsch: Die Gespräche sind praktisch im Endstadium. Wir haben noch zwei Protokolle mit Kirgisien und Taiwan zu unterzeichnen. Und unsere Regierung muss noch 21 Gesetze durchs Parlament bringen. All das muss so schnell wie möglich geschehen.

EuroNews: Der Winter steht vor der Tür und damit das Problem der russischen Gaslieferungen an die Ukraine und nach Europa. Viele haben geglaubt, SIE hätten besser mit Russland verhandeln können. Stimmt das?

Janukowitsch: Ich will nicht über eine schlechte Situation sprechen. Aber ich muss etwas sagen zu den Entscheidungen, die 2005 und 2006 gemacht wurden. Die Leute, die dafür Verantwortung hatten, waren nicht kompetent. Sie gehörten nicht zu denen, die solche Entscheidungen treffen sollten. Die Regierung von Julia Timoschenko hat die Natur der ukrainisch-russischen Beziehungen nachhaltig verändert. Das betrifft auch die Vereinbarungen über das Erdgas, das die Ukraine verbraucht und das per Pipeline durch die Ukraine nach Europa strömt. Wir alle kennen die russische Reaktion. Unsere damalige Regierung handelte gegen die wirtschaftlichen Interessen der Ukraine und Russlands. Ein anderes Problem sind die Garantien für die Erdgas-Lieferungen nach Europa. Wie sollen wir damit umgehen? Wir müssen zusammenarbeiten. Zusammen müssen wir damit beginnen, genügend Erdgasreserven für die Ukraine zu lagern – insgesamt 24,7 Milliarden Kubikmeter. Lassen Sie mich zusammfassen: Die Ukraine muss ein solides Bindeglied der Beziehungen zwischen Europa und Russland sein.