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Schwere Ausschreitungen in Budapest: Demonstranten stürmen Fernsehsender

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Schwere Ausschreitungen in Budapest: Demonstranten stürmen Fernsehsender

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In der ungarischen Hauptstadt Budapest haben Gegner der sozialliberalen Regierung in der Nacht den Sitz des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gestürmt. Der Sendebetrieb musste abgebrochen werden, als die Demonstranten in das Gebäude eindrangen. Zuvor hatten sie den Sender mehrere Stunden lang belagert. Einen ersten Ansturm konnte die Polizei mit dem Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern abwehren; später griffen die Beamten nur mehr sporadisch ein. Die Aktivisten setzten mehrere Fahrzeuge in Brand, darunter auch einen Wasserwerfer, und warfen mit Steinen und Flaschen nach den Polizisten. Es waren die schwersten Ausschreitungen in Budapest seit mehreren Jahrzehnten. Mindestens 50 Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schwer.

Die Demonstranten hatten sich von einer Kundgebung vor dem Parlament abgesondert. Dort demonstrieren seit Sonntag Tausende Menschen gegen die Regierung von Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany. Am Sonntag war ein Tonbandmitschnitt einer parteiinternen Rede Gyurcsanys bekannt geworden, in der der Ministerpräsident zugab, dass seine Partei die Menschen vor den Parlamentswahlen im April hinsichtlich der Budgetzahlen belogen habe. Außerdem, so meinte er weiter, habe das Kabinett in den vergangenen Jahren nichts erreicht.

Gyurcsany sagte zu den Ausschreitungen nur, dass sich politische Probleme nicht auf der Straße lösen ließen – vielmehr mache die Straße die Probleme nur schlimmer. Ungarns Präsident hatte Gyurcsany vorgeworfen, eine “moralische Krise” im Land verursacht zu haben.