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Teile der frankophonen Welt glauben nicht an den Kampf der Kulturen.

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Teile der frankophonen Welt glauben nicht an den Kampf der Kulturen.

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Alle zwei Jahre hält die Internationale Organisation der Francophonie, OIF, ihre Hauptversammlung ab. Diesmal am 28 und 29 September in der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Vor dem Gipfeltreffen, hat EURONEWS den Generalsekretär der Organisation, Abdou Diouf, in Paris interviewt.

Euronews: “Herr Generalsekretär, verschwindet französisch als Weltsprache?”

Das würde ich nicht sagen”, antwortete Abdou Diouf, “Französisch ist auf dem Vormarsch, aber nicht so schnell wie englisch. Englisch ist – ganz klar – die große Sprache der Kommunikation, aber dahinter kommt gleich französisch. Vergessen Sie bitte nicht, dass wir so viele Sprachen wie möglich auf der Welt behalten wollen, schützen müssen. Wir müssen die verschiedenen linguistischen Formen erhalten, denn sie sind Bestandteil unserer kulturellen Unterschiede.

Euronews: Wie kann die OIF ernsthaft politisch arbeiten, wenn ,wie Transparency International kürzlich festgestellt hat einige Länder in ihrer Organisation, die Menschenrechte missachten und wichtige große Länder in ihrer Organisation wie Guinea, der Tschad, die Elfenbeinküste und Haiti als die korruptesten Länder der Erde gelten?

Abdou Diouf: Wir bemühen uns, in jedem dieser Länder eine gute Regierung zu haben. Gibt es größere Schwierigkeiten wie z.b eine gewaltsame Machtübernahme, einen Militärputsch, dann erheben wir Sanktionen. In anderen Fällen respektieren wir die Souveränität des Landes, appellieren aber, auch an die Weltgemeinschaft, dafür zu sorgen, daß das Land wieder zur Normalität zurückfindet.

Euronews: Sie waren Präsident des Senegal. Viele Bürger ihres Landes wandern heimlich nach Europa ein. Ist es nicht höchste Zeit, daß Afrika die Verantwortung für seine jungen Leute übernimmt und die Immigration unterbindet?

Abdou Diouf: Das Problem der Immigration – daß darf man nicht nur aus dem Blickwinkel von Unterbinden oder Sicherheit sehen. Das ändert nichts. Man muß der Sache auf den Grund gehen. Afrika ist ein sehr armer Kontinent. Angesichts dieser Armut, werden große Anstrengungen unternommen, um die Lage zu verbessern. Manchmal durch Repressionen, wie z.B. das Bevölkerungswachstum zu stoppen, aber auch durch positive Maßnahmen. Jugendlichen beispielsweise neue Möglichkeiten eröffnen, Hoffnung zu geben, so daß sie im Land bleiben.

Euronews: Afrikanische Regierungen geben dem Kolonialismus die Schuld an Afrikas Armut. Ist das richtig?

Abdou Diouf: Kolonialismus hatte seine guten und seine schlechten Seiten. Wir wollen nicht als Länder zweiter Klasse behandelt werden. Wir wollen als Partner behandelt werden. Sehen wir doch in die Zukunft. Was können wir Afrikaner anbieten und was können die entwickelteren Länder für uns tun?

Euronews: Die OIF bringt Christen und Muslime zusammen. Können sie eine Brücke zwischen der muslimischen Welt und dem Westen bilden?

Abdou Diouf: Ich bin nicht sicher, ob wir wirklich von einer Spaltung zwischen der westlichen und muslimischen Welt sprechen können. Ich glaube, es sind extremistische Muslime, die den Kampf der Zivilisationen wollen. Bleibt jeder in seinem Ghetto und sagt, ich bin was ich bin und hier bleibe ich, das hilft Nichts, das wirkt wie eine Trennwand. Was wir brauchen ist das Gespräch untereinander, es muß eine gesellschaftliche Bereicherung sein.

Euronews: Die Angst vor dem Islam in Europa wächst…

Abdou Diouf: Ich hoffe nicht, daß es gegen den Islam geht. Ich hoffe, Europäer mögen keine Islamiten, Fundamentalisten, Fanatiker. Aber ich hoffe, sie mögen gemäßigte Muslime wie mich.

Euronews: Es gibt eine Furcht vor dem Islam…

Abdou Diouf: Ich weiß, ich weiß. Wir verwirren beide. Es gibt eine Unkenntnis über den Islam. Das gilt nicht für mich, ich sage was ich denke. Ich bin ein politischer Menschlich stehe in der Öffentlichkeit – auch als gläubiger Muslim. Wir ,die wir auch die theologischen Argumente des Islam kennen und verstehen, müssen sie viel häufiger nach außen vertreten und es nicht denen überlassen, die uns für ihre Zwecke benutzen.”