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Politik im Kinosessel

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Frankreich will seinen Soldaten aus den Kolonien die gleichen Alters- und Invalidenrenten zugestehen – dank dem Kinofilm “Indigènes”. Er erzählt von nordafrikanischen Soldaten, die Frankreich 1944 im Kampf gegen die Nazis unterstützten. Präsident Jacques Chirac hatte sich zu diesem Schritt nach einer Sondervorstellung entschlossen – angeblich zu Tränen gerührt. Medienwirksam wurde die Entscheidung pünktlich zum Kinostart in Frankreich verkündet. Cheikh Dem, ein Repräsentant der Kriegsveteranen, sprach von einem allgemeinen Aufatmen, da bereits viele Betroffenen gestorben seien. Die wenigen, die es noch gebe, würden nun wenigstens erhalten, was man ihnen schulde.

Die Gleichstellung betrifft über 80 000 Veteranen in 23 Ländern. Während französische Soldaten bisher eine monatliche Invalidenrente von 690 Euro bekamen, musste sich beispielsweise ein tunesischer Kriegsveteran mit 61 Euro abfinden. Die Maßnahme kostet Frankreich nun jährlich 110 Millionen Euro. Menschenrechtsorganisationen nannten die Gleichstellung längst überfällig. Von den Frontkämpfern lebt mittlerweile nur noch jeder Dritte. 1944 stammte jeder zweite französische Frontsoldat aus den Kolonien.