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Renault-Chef Carlos Ghosn: keine Angst vor chinesischen Autos

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Renault-Chef Carlos Ghosn: keine Angst vor chinesischen Autos

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Er ist eine der schillerndsten Figuren der globalen Automobilindustrie. Carlos Ghosn – Chef von Renault, Chef von Nissan. Einer der Stars des Pariser Autosalons. Für manche ein eiskalter Kostenkiller, für andere ein genialer Visonär.

Über eine Vision wird derzeit besonders spekuliert: das Zusammengehen mit General Motors. Also: Allianz oder nicht Allianz, Monsieur Ghosn?

Ghosn: Es wird Mitte Oktober eine definitive Antwort geben. Und die lautet entweder: Es gibt genügend Synergien, die eine solche Allianz vernünftig machen lassen, oder es gibt sie nicht.

Wenn wir zu dem Ergebnis kommen, es gibt nicht genug Synergien, beenden wir die Kontakte.

Wenn wir aber der Meinung sind, es gibt genügend Synergien, dann beginnt eine zweite Gesprächsphase mit der Frage: Wie schaffen wir die Allianz. Wie organisieren wir sie, wie soll sie arbeiten und wie stellen wir sicher, dass die geplanten Synergien tatsächlich Ergebnisse bringen.

Bis dahin gibt es eine Menge Spekulationen, der eine sagt das, der andere das. Alles unwichtig. Wir sind Unternehmenschefs, die objektiv untersuchen, was eine Allianz jedem von uns bringt. Und an diesen Vorteilen orientieren wir uns.

EuroNews: Sie haben vor einiger Zeit einen Strategieplan entwickelt, mit dem Sie ab 2009 pro Jahr rund 800.000 zusätzliche Autos verkaufen wollen. Was sind dafür die Erfolgsbedingungen?

Ghosn: Das einzige, was für mich als Chef von Renault zählt, sind die Verpflichtungen, die ich gegenüber den Mitarbeitern und dem Unternehmen eingegangen bin.

Und da haben wir uns bis 2009 drei Ziele gesetzt: sechs Prozent Gewinnmarge, 800.000 Autos mehr und den Laguna unter den drei besten Autos der Welt. Das ist das einzige, was zählt.

Sollten wir uns also für eine Allianz mit GM entscheiden, dann muss diese Allianz unsere Verpflichtungen einhalten. Unter keinen Umständen würde ich eine Allianz akzeptieren, die unser Potenzial schwächt. Unsere drei Ziele sind wichtig, und daran halten wir fest.

Ich kann Ihnen also versichern, dass eine mögliche Zusammenarbeit mit General Motors auf diese Aspekte hin untersucht wird.

EuroNews: 2006 läuft in Europa nicht gut. Renault verliert konstant Marktanteile – warum?

Ghosn: 2006 ist ein schwieriges Jahr für uns.
Zunächst einmal ist das konjunkturelle Umfeld nicht günstig. Der Markt in Europa ist saturiert. Es ist ein Markt, der mit hohen Energiepreisen fertig werden muss – und das zu einem Zeitpunkt, an dem wir sehr wenig neue Produkte anzubieten hatten.

Gleichzeitig arbeiten wir sehr hart an der Vorbereitung der 26 neuen Produkte im Rahmen unseres Strategieplans 2009. Und an einer Kostensenkung und einer Qualitätsverbesserung.

2006 ist also ein schwieriges Jahr, damit haben wir gerechnet. Wir haben sehr viel zu tun und nur magere Ergebnisse eingefahren. Aber wir investieren – damit 2007, 2008 und 2009 sehr viel besser werden.

EuroNews: Ist denn die Allianz zwischen Renault und Nissan inzwischen ausgereift?

Ghosn: Ich denke ja. Wir müssen nur unsere enge interne Kooperation fortsetzen. Dabei möge niemand glauben, dass es keine Synergien mehr geben könnte. Die gibt es immer, daran müssen wir arbeiten. Diese Philosophie ist inzwischen in beiden Häusern sehr gereift.

Eigentlich bin ich beeindruckt, dass dies die einzige Allianz ist, in der die Leute ihre Zeit damit verbingen, zusammenzuarbeiten und nicht sich zu bekämpfen.

EuroNews: Was können Europäer und Amerikaner von Autobauern aus Japan und Korea lernen?

Ghosn: Ich denke, dass die Asiaten den europäischen und amerikanischen Herstellern viel beibringen können. Umgekehrt gilt das übrigens auch. Sie dürfen natürlich nicht die kulturellen Identitäten vermischen, wenn sie zwei Unternehmen aus beiden Räumen zusammenbringen wollen.

Am Ende geht es aber nicht darum, ein japanisches Hybrid-Auto zu schaffen oder ein französisches.
Sicher ist: Die Japaner arbeiten in ihrer Fabrik und die Franzosen in ihrer.

Dass wir mit diesen unterschiedlichen Methoden, Ansichten und Prioritäten zusammenarbeiten können, ist eine Herausforderung, die aber äußerst bereichernd ist. Und die sehr viel bessere Ergebnisse bringt.

EuroNews: Wie sehen Sie denn die Bemühungen Chinas und Indiens, eigene Autohersteller zu schaffen?

Ghosn: In vielen Industrien – und der Autosektor gehört dazu -, ist der Aufbau eines nationalen wettbewerbsfähigen Branchenriesen sehr schwierig.
Aus einem ganz einfachen Grund: Alle Autobauer sind bereits in China. Ich sehe nicht, was ein chinesischer Hersteller anders machen sollte, was ein globaler Autobauer, der in China präsent ist, nicht auch könnte.

Es sind dieselben Arbeitskräfte, dieselbe Infrastruktur, es werden diesselben Führungskräfte eingestellt, und wir haben dieselben Ressourcen.

Insgesamt ist es meiner Meinung nach gut, dass es heute unter den Bedingungen der Globalisierung auch für aufstrebende Länder die Möglichkeiten gibt, sich stärker in die Weltwirtschaft einzubringen.

EuroNews: Sie gelten als absolutes Arbeitstier – wo nehmen Sie eigentlich Ihre Energie her?

Ghosn: Gute Frage … ich weiß es nicht.