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Trauer nach Mord an russischer Journalistin

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Trauer nach Mord an russischer Journalistin

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Entsetzen in Moskau, in ganz Russland und auch darüber hinaus: Entsetzen über den Mord an Anna Politkowskaja. Eine Moskauer Demonstration gegen Russlands Georgien-Politik wurde spontan auch zur Gedenkkundgebung für die kritische Journalistin. Die Russen kannten Politkowskaja vor allem durch ihre Berichte aus dem Tschetschenien-Krieg. Gerade schrieb sie an einem neuen Artikel über Folter in Tschetschenien. Morgen sollte er erscheinen, bei der kleinen regierungskritischen Zeitung “Nowaja gaseta”.

Hier arbeitet auch Oleg Panfilow: Der leitet außerdem ein Zentrum für gefährlichen Journalismus und sagt, in Russland gebe es ein Klima des Hasses gegen ehrliche Journalisten. Egal wie sich die Regierung jetzt rechtfertige – er bezweifele, dass Präsident Putin zu dem Mord etwas sagen werde.

Bisher hat er recht – der Kreml schweigt. Immerhin hat Politkowskaja auch ein Putin-kritisches Buch verfasst, das in Russland nicht erscheinen durfte.

Der Generalstaatsanwalt hat aber die Ermittlungen übernommen. Die Polizei fahndet jetzt nach einem jungen Mann, der vor Anna Politkowskajas Wohnhaus von einer Überwachungskamera gefilmt wurde. Allerdings sind die Aufnahmen von schlechter Qualität, und der Mann trägt eine Baseballmütze.

Inzwischen häufen sich vor dem Haus die Blumen. Eine Moskauerin sagt hier, sie habe Politkowskaja noch vor zwei Tagen im Radio gehört. Und sie habe gebetet, dass Gott sie den Menschen erhalten möge. Das jetzt tue sehr weh.

Schon öfter war Politkowskaja bedroht worden. 2001 floh sie für einige Monate nach Wien; in dieser Zeit wurde eine Nachbarin ermordet, die ihr ähnlich sah.

Die USA zeigten sich über den Politkowskaja-Mord schockiert und betrübt und forderten eine umfassende Untersuchung. Ähnlich reagierten die Europäische Union und der Europarat. Nach US-Angaben wurden in Russland in den letzten sechs Jahren zwölf Journalisten umgebracht.

Erst vor kurzem wurde auch ein Vizechef der russischen Zentralbank ermordet, der für die Regulierung von Privatbanken zuständig war und viele von ihnen wegen des Verdachts auf Geldwäsche geschlossen hatte.