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Wut in Russland über Politkowskaja-Mord

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Wut in Russland über Politkowskaja-Mord

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Die Menschen kommen immer noch hierher, die Blumen häufen sich vor dem Moskauer Wohnhaus von Anna Politkowskaja. Am Sonnabend wurde die kritische Journalistin ermordet; die Fahndung blieb bisher ohne Ergebnis. Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich jetzt zum ersten Mal zu dem Fall geäußert, wenn auch nicht gegenüber seinem eigenen Volk. Am Telefon versprach er zumindest seinem amerikanischen Kollegen George Bush alle Anstrengungen zur Aufklärung des Mordes. Bei Putins Deutschlandbesuch am Dienstag will Bundeskanzlerin Angela Merkel den Mord ansprechen. Putin kommt an diesem Tag nach Dresden, zum sechsten “Petersburger Dialog”.

Das Vertrauen bei vielen Menschen in Russland ist aber gering. “Wenn wir nicht selbst die Journalisten verteidigen,” sagt diese Moskauerin, “dann wird man noch mehr von ihnen ermorden. Die Regierung ist rechtswidrig und korrupt – und Diebe haben immer Angst vor der Wahrheit. Mit Anna Politkowskaja ist auch die Wahrheit ermordet worden.”

Politkowskajas Zeitung, die kleine regierungskritische “Nowaja Gaseta”, setzte eine hohe Belohnung von mehr als 700 000 Euro aus und will auch selbst nach Tätern und Hintermännern forschen. Auf sechs Sonderseiten erinnerte sie an ihre Mitarbeiterin, die sich vor allem mit Berichten aus dem Tschetschenienkrieg einen Namen und offenbar auch Feinde gemacht hatte. Ursprünglich war für Montag ein weiterer Artikel der Journalistin über Folter in Tschetschenien geplant, an dem sie bis zu ihrer Ermordung noch schrieb. An diesem Dienstag wird Politkowskaja beigesetzt.