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Abschied von ermordeter russischer Journalistin

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Abschied von ermordeter russischer Journalistin

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In Moskau haben einige Tausend Menschen Abschied genommen von der ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja. Auf dem Trojekurow-Friedhof versammelten sich am traditionell offenen Sarg viele Kollegen, dazu Menschen- und Bürgerrechtler, Oppositionspolitiker und westliche Diplomaten. Viele Menschen warteten draußen in Wind und Regen, um noch einen letzten Blick auf die Ermordete werfen zu können.

Politkowskaja hatte sich vor allem durch unbequeme Berichte aus dem Tschetschenienkrieg einen Namen gemacht – und offenbar auch Feinde. Sie zählte außerdem zu den bekanntesten Kritikern von Wladimir Putin; ihr Buch über den Präsidenten konnte nur im Ausland erscheinen, nicht in Russland selbst. Auch früher schon war sie bedroht worden. 2001 ging sie deswegen sogar für einige Monate nach Wien. In dieser Zeit wurde in Moskau eine Nachbarin ermordet, die ihr ähnlich sah.

Am Wochenende traf es dann Anna Politkowskaja selbst. In ihrem Wohnhaus in Moskau wurde sie erschossen, als sie vom Einkaufen kam. Die Fahndung hat noch nicht viele Ergebnisse gebracht. Laut einem Zeitungsbericht sucht die Polizei mindestens fünf Täter, die die Journalistin schon vor dem Mord verfolgt haben sollen. Ihre Zeitung, die kleine regierungskritische “Nowaja Gaseta”, will aber auch selbst nach Tätern und Hintermännern forschen und hat mehr als siebenhunderttausend Euro Belohnung ausgesetzt.

Anna Politkowskaja wurde 48 Jahre alt; sie hinterlässt zwei erwachsene Kinder.