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Dresden zeigt Ausstellung über Nazi-Rassenwahn

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Dresden zeigt Ausstellung über Nazi-Rassenwahn

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Der Rassenwahn der Nazis – darum geht es in der neuen Ausstellung im Dresdner Hygienemuseum. “Tödliche Medizin” heißt sie – und sie zeigt, wie Ärzte nicht Leben retteten, sondern es auslöschten, wenn sie es für nicht lebenswert hielten. Nicht lebenswert, das waren für die Nazis zum Beispiel behinderte Menschen oder unheilbar Kranke – mehr als zweihunderttausend wurden umgebracht, doppelt so viele sterilisiert.

Auch das Hygienemuseum in Dresden war nicht unbeteiligt, sagt Museumsleiter Klaus Vogel: “Dieses Haus war in der NS-Zeit eine Propagandastelle erster Güte für Rassenhygiene, für Eugenik. Und die Ausstellung bietet, glaube ich, eine gute Möglichkeit, mit jungen Menschen zu arbeiten – um sie ein bisschen zu immunisieren gegen Fremdenhass, gegen Antisemitismus.”

Die Ausstellung stammt aus dem Holocaust-Museum in Washington und wird zum ersten Mal außerhalb der USA gezeigt. Mehr als siebenhunderttausend Menschen haben in Washington schon gesehen, wie bedenkenlos Ärzte und ihre Helfer ihre Ideen von “Volksgesundheit” und Herrenrasse verwirklichten. Man sehe, wie ein ganzer Berufsstand pervertiert sei, im Namen höherer Ideale von menschlicher Vervollkommnung, sagt Sarah Bloomfield vom Holocaust-Museum. Das enthülle viel über Geschichte, aber auch über die menschliche Natur.

Über die Herrenrasse spottete der Volksmund zunächst: Blond wie Hitler, groß wie Gübbels und schlank wie Göring, hieß es damals. Der tödliche Ernst dieser Visionen wurde erst später klar.

Viele der verantwortlichen Ärzte wurden nie bestraft, sondern praktizierten nach dem Krieg unbehelligt weiter oder machten sogar weiter Karriere als Forscher. Das Thema Euthanasie war in Deutschland lange noch tabu; erst in den achtziger Jahren begann eine breite Aufarbeitung. Die Dresdner Ausstellung ist bis Juni nächsten Jahres zu sehen.