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Empörung in der Türkei über französisches Armenier-Gesetz

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Empörung in der Türkei über französisches Armenier-Gesetz

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In der Türkei hat die Abstimmung im französischen Parlament über ein neues Gesetz Empörung ausgelöst: Das französische Parlament billigte in erster Lesung eine Gesetzvorlage, nach der die Leugnung eines Völkermordes an den Armeniern durch die Türken im Osmanischen Reich bestraft werden soll. Rund einhundert Menschen kamen zu einer Kundgebung vor die französische Botschaft in Ankara. Auch vor dem Konsulat in Istanbul gab es eine Demonstration. Das türkische Außenministerium sprach von einem “verantwortungslosen Vorgehen”, das auf “haltlosen Behauptungen einiger französischer Politiker” beruhe.

Was in Frankreich geschehen sei, werfe viele Fragen auf, sagte der türkische Wirtschaftsminister Ali Babacan, der auch Verhandlungsführer seines Landes bei den EU-Beitrittsgesprächen ist. Welche Grundwerte habe die EU? Demokratie? Freiheit? Menschenrechte? Das Votum des französischen Parlaments entspreche nicht den Grundwerten der Europäischen Union, betonte der Minister. Auf die Frage nach einem möglichen Boykott französischer Produkte sagte er, darüber müssten die Menschen selbst entscheiden.

Passanten in Ankara hatten sich offenbar entschieden: Die Beziehungen zu Frankreich sollten völlig abgebrochen und französische Produkte boykottiert werden, sagte ein Mann, und ein anderer erklärte, es habe keinen Völkermord in der Geschichte der Türkei gegeben; man dürfe nicht gewungen werden, eine Unwahrheit zu akzeptieren. In der Türkei ist die Armenier-Frage nach wie vor tabu.