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Türkei: Proteste gegen französisches Genozid-Gesetz

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Türkei: Proteste gegen französisches Genozid-Gesetz

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In der Türkei hält sich die Empörung über das Gesetz zum Völkermord in Armenien, das die französische Nationalversammlung gebilligt hat. “106 Dummköpfe” heißt es zum Beispiel über die Abgeordneten in der Zeitung Vatan. Nach dem Gesetz soll mit einem Jahr Gefängnis und 45 000 Euro Bußgeld bestraft werden, wer den Genozidcharakter des Massenmordes im Ersten Weltkrieg abstreitet.

Dazu der Türke auf der Straße: “Nun sehen wir wenigstens unsere Zukunft klarer”, so ein Passant, “wir sollten unsere EU-Mitgliedschaft 100mal überdenken.” Andere wollen ihre Kaufkraft umlenken: “Wir sollten französische Produkte boykottieren. Kosmetika, Autos, Nahrungsmittel. Ich kaufe sie einfach nicht mehr.”

Zuvor war es zu Demonstrationen vor der diplomatischen Vertretung Frankreichs in Istanbul gekommen. Die Armenier Kleinasiens waren im Ersten Weltkrieg nach vorangegangenen Pogromen von den türkischen Machthabern der Sympathien mit den Feindmächten verdächtigt und deportiert worden. Nach armenischen Schätzungen kamen dabei 1,5 Millionen Menschen um. Die Türkei wehrt sich vehement dagegen, daß die verlustreichen Vertreibungen als Völkermord eingestuft werden. Das französische Gesetz bedarf noch der Zustimmung des Senats und des Staatspräsidenten.