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Frankreich: Gewerkschaft der Polizei fürchtet erneut Gewalt in den Vorstädten

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Frankreich: Gewerkschaft der Polizei fürchtet erneut Gewalt in den Vorstädten

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Ein Jahr nach den Unruhen in den französischen Vororten, sagt die Gewerkschaft der Polizei heute, sie sei mehr denn je geradezu militär-ähnlichen Aggressionen ausgesetzt. In Paris übergab die Gewerkschaft dem Polizeichef einen Katalog mit Forderungen. Gewerkschaftsvertreter Michel Djabian sagte der Presse: “Wir haben es satt, Tag für Tag da raus zu gehen und angegriffen zu werden. Die Frauen und Männer, die auf der Strasse ihren Dienst tun, haben den Eindruck, dass der ganze Druck allein auf ihren Schultern lastet.” Offiziellen Angaben zufolge lag die Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizisten 2004 bei 3842, 2005 bei 4246, und in den ersten sechs Monaten 2006 lag sie bei 2458. Seit der Welle der Gewalt im Herbst 2005 hat sich die Situation also nicht verbessert. In der Banlieue von Paris wurden Polizisten von etwa 30 jungen Männern angegriffen, die mit Eisenstangen bewaffnet waren. Ein Polizist wurde verletzt, es entstand großer Sachschaden.

Vor einem Jahr, im Herbst 2005 brannten die Vorstädte. Die gewaltbereiten Jugendlichen stammen zumeist aus den muslimisch geprägten Vierteln. Sie haben keine Arbeit und keine Ausbildung. Die Polizei befürchtet nun bis zu den Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr einen Anstieg der Aggression.

Die Gewerkschaft fordert mehr Patroullien und strengere Strafen für die Täter. Für Innenminister und Präsidenschaftskandidat Nicolas Sarkozy ist die Sicherheit ein Hauptthema im Wahlkampf. Seiner Meinung nach muss hart durchgegriffen werden, die französische Justiz hat er wiederholt als zu milde kritisiert. Premierminister Dominique de Villepin lud er Vertreter aus den Vorstädten zu sich ein, um mit ihnen über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren.