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Wladimir Putin: Zwiespältiger Geschäftspartner bei der EU zum Dinner

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Wladimir Putin: Zwiespältiger Geschäftspartner bei der EU zum Dinner

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Nach den leidigen Erfahrungen beim russisch-ukrainischen Gasstreit im vergangen Winter will die EU in diesem Jahr vorbeugen: Die finnische Ratspräsidentschaft hat deshalb den russischen Präsidenten zum Abendessen beim EU-Gipfel am Freitag geladen. Putin soll störungsfreie Lieferungen garantieren. Finnland braucht jedoch all seine Energie, um die 25 dazu zu bringen, dass nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht. Zu verschieden sind die nationalen Interessen. Dabei hängt die EU zu gut einem Viertel ihrer Öl- und Gaslieferungen von Russland ab.

Kommissionschef Jose Manuel Barroso setzt auf gegenseitige Abhängigkeit: “Wir, die Europäische Union, sind der größte Energie-Kunde der Welt. Das kann also eine Situation sein, in der beide Seiten gewinnen können, denn unser Druckmittel ist unser Markt. Und das ist die Botschaft, die wir Präsident Putin konstruktiv, aber bestimmt, übermitteln werden.”

Analysten sind sich der gegenseitigen Abhängigkeit nicht so sicher. Russland hält den Daumen auf seine Energievorkommen, ausländische Konzerne klagen über Behinderungen und Rechtsunsicherheit. Andererseits können die Russen ausländische Finanzhilfe für die Modernisierung ihrer Anlagen gebrauchen.

“Das wird auf beiden Seiten eine lange Sache sein. Investitionen in Gaspipelines, das sind Projekte für zwanzig, dreißig Jahre. Und der Prozess der Demokratisierung oder der Europäisierung der russischen Gesellschaft, das ist ebenfalls eine Angelegenheit von einer oder zwei Generationen”, erwartet der Brüsseler Russland-Experte Michael Emerson.

Einstweilen bleibt Wladimir Putin für die EU ein zwiespältiger Geschäftspartner – strategisch wichtig in der Energiefrage, besorgniserregend mit seiner autoritären Politik und der schlechten Menschenrechtsbilanz in seinem Lande. Beides soll am Freitag zur Sprache kommen.