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Portugal: Meinungen vor Abtreibungs-Votum kontrovers

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Portugal: Meinungen vor Abtreibungs-Votum kontrovers

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Drei Jahre Haft – diese Strafe riskiert eine Portugiesin, die ihre Schwangerschaft unterbrechen läßt. Die portugiesische Gesetzgebung zählt zu den restriktivsten in Europa. Das könnte sich ab Januar ändern. Eine Liberalisierung bezwecke er mit dem Referendum trotzdem nicht – sagt Regierungschef Sokrates. Sondern ein neues Gleichgewicht zwischen persönlichen Wertvorstellungen und Freiheit. Kurz: Eine Entkriminalisierung.

Aber die öffentliche Meinung im Portugal – sie wurde bereits mehrmals abgefragt – ist außerordentlich gespalten. Zwar hat
die katholische Kirche keine Abstimm-Empfehlung abgegeben. Doch die Gegner plädieren vehement gegen jede Straffreiheit. Die Befürworter des Referendums sehen darin dagegen eine Voraussetzung für ein modernes Portugal. Sie beklagen das geltende Gesetz, das Frauen verfolge und dem Land ein rückständiges Image verpasse.

Vor acht Jahren hatten die Portugiesen schon einmal Gelegenheit, sich per Referendum für die Straffreiheit auszusprechen. Damals trug das “Nein” einen knappen Sieg von 51 % davon. Doch mehr als zwei Drittel der Wähler hatten gar nicht mitbestimmt.

Auch Europa gibt in der Frage ein sehr zersplittertes Bild ab. In der Mehrheit der Länder ist der Schwangerschaftsabbruch straffrei, im Schnitt wie in Deutschland – hier mit Beratungspflicht – in den ersten drei Monaten. In vier Ländern steht der Abbruch generell unter Strafe: In Polen, Irland, Malta und Portugal.

Hier werden jedes Jahr geschätzt 20 000 Schwangerschaften heimlich – das heißt laienhaft – unterbrochen. Für 5 000 Frauen endet dieses medizinische Abenteuer in der Notaufnahme. das will die Regierung beenden. Der Kampf gegen diese heimlichen Abtreibungen – das ist das Motiv der aktuellen sozialistischen Regierung.

Innerhalb der Ärzteschaft sind die Meinungen extrem kontrovers: “Niemand kann eine exakten Zeitpunkt definieren, mit dem das menschliche Leben beginnt,” so ein Pro-Referendums-Vertreter im Fernsehen, “ganz sicher gilt es erst, wenn das zentrale Nervensystem entstanden ist.”

Sein Gegenpart dagegen meint: “Für mich gilt nur ein einziges Datum: Sobald die Bedingungen ausreichen, um aus der befruchteten Eizelle ein menschliches Wesen entstehen zu lassen.” Im schier unlösbaren Interessenskonflikt zwischen ungeborenem Leben und Selbstbestimmung ohne Kriminalisierung und medizinischen Pfusch müssen die Portugiesen nun entscheiden – jeder für sich.