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Vor welchen Herausforderung steht der neue Gewerkschaftsweltverband?

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Vor welchen Herausforderung steht der neue Gewerkschaftsweltverband?

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Die Gewerkschaftsbewegung ist ein Kind der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. In Deutschland zum Beispiel waren die Tabakarbeiter 1848 die ersten, die sich zur Verteidigung ihrer Interessen organisierten. Der Gewerbefreiheit der Kapitalbesitzer folgte die Koalitionsfreiheit jener, die nur ihre Arbeitskraft einzubringen hatten.

Am erfolgreichsten waren die Gewerkschaften logischerweise immer dann, wenn ein großer Bedarf an Arbeitskräften bestand. Da sich die klassischen Gewerkschaften noch immer – wie im 19. Jahrhundert – auf Lohn und Arbeitsbedingungen konzentrieren, werden sie mehr und mehr zu Vertretern der priviligierten Schicht der Arbeitsplatzbesitzer.

Das ist ein globaler Prozeß:
Während mit der Welthandelsorganisation schon seit 12 Jahren die Globalisierung der Gewerbefreiheit vorangetrieben wird, wurden die Arbeitnehmerrechte immer noch von national oder parteipolitisch unterschiedlich organisierten Verbänden wahrgenommen und denen sind gerade in diesem jüngsten Jahrzehnt massenhaft die Mitglieder davongelaufen.
In Deutschland und Großbritannien sind noch ungefähr 25 Prozent der mit einem Arbeitsvertrag klassischen Zuschnitts Angestellten gewerkschaftlich organisiert, in den USA liegt der Anteil knapp über 10 Prozent, in Frankreich sogar darunter.

Von den 6 Milliarden Erdenbürgern müssen heute 2,8 Milliarden mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. Das Durchsschnittseinkommen in der 20 reichsten Ländern ist 37 mal höher als das in den 20 ärmsten. Und der Börsenwert der 10 größten multinationalen Konzerne übertrifft das jährliche Bruttoinlandsprodukt von 150 der 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen.

Da sie nur noch eine Minderheit jener Menschen vertreten, die von ihrer Hände Arbeit leben, sind die Gewerkschaften auch in den großen globalen Auseinandersetzungen zu Randgruppen geworden.

Auf die Globalisierung mit all ihren unsozialen Folgen konnten und können die alten Gewerkschaften in ihrer klassischen Struktur nicht ausreichend reagieren. Andere Gruppen haben daher ihren Platz als Vertreter von Masseninteressen eingenommen. Ob die Gründer des neuen Dachverbandes aus dieser Misere gelernt haben, war aus ihren Gründungspapieren noch nicht zu ersehen.