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Camorra, das Übel von Neapel

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Camorra, das Übel von Neapel

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Vor zwei Jahren wurde schon einmal eine “Vereinbarung zum Kampf gegen die Gewalt” in Neapel unterzeichnet.
Genutzt hat es ebensowenig wie der Einsatz von Soldaten. Nach Meinung der ehemalige Bürgermeisterin von Neapel, brauche man eine große Mobilisierung, wie zu Zeiten des Terrors in den 70er Jahren. “Wir haben die Kriminellen bekämpft”, sagt Rosa Russo Iervolino, “wir brauchen aber eine Kultur- und Sozialpolitik, die vorbeugt. Ich habe die Regierung aufgefordert, Neapel nicht zu vergessen, weil man diesen Kampf nicht einfach aufgeben darf.”

Zwar wurden und werden immer mal Mafiosi verhaftet – an den Verhältnissen hat das aber nichts geändert, weil die Macht des Organisierten Verbrechens aus der Ohnmacht des Sozialstaats erwächst. Der Süden, der Mezzogiorno, mit der Hauptstadt Neapel, ist seit ewigen
Zeiten das Armenhaus Italiens.
Die drei großen Mafia-Gruppierungen – Cosa Nostra auf Sizilien, ´Ndrangheta in kalabrien und Camorra in und um Neapel – sind auf der Basis von Armut und Rückständigkeit entstanden.

Man muss den Zusammenhang zwischen diesen Zahlen sehen: 81 Millarden euro jährliches Geschäftvolumen aller Mafia-Gruppen zusammen – und mehr als die Hälfte der unter 30jährigen sind arbeitslos.
Allein bei der Camorra verdienen 80- bis hunderttausend Menschen ihren Lebendsunterhalt.

Anders als die sizilianische Cosa Nostra hat die Camorra keine festgefügten Strukturen.
Darum droht das fragile Gleichgewicht immer dann zu kippen, wenn sich – wie jetzt – die Geschäftsbedingungen ändern.
Bei der Umstellung auf Direktbezug von Kokain aus Südamerika drängen die Söhne und Enkel der alten Bosse ins Geschäft.

Die Camorra ist in den Armenvierteln der wichtigste Arbeitgeber. In den heruntergekommenen Sozialwohnungen verpacken Mutter und Oma das Rauschgift, die minderjährigen Söhne machen den Kuriendienst. Davon lebt die ganze Familie.
Weil der Staat ihnen keinen anderen Lebensunterhalt bieten kann, können diese Menschen dem Staat gar nicht helfen, ihren derzeitigen Arbeitgeber zu entmachten.