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Bibel und Wahlkampf in den USA

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Bibel und Wahlkampf in den USA

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Religion und Politik hängen in den USA so eng zusammen wie sonst wohl nur noch in streng islamischen Ländern.
Wobei unter den kaum zu zählenden Religionsgemeinschaften die Protestanten am sichtbarsten Einfluß auf die Politik nehmen. Da geht – wie hier im Bundesstaat Virginia – der Gottesdienst fast nahtlos in Wahlkampf über. Der Kandidat spricht die religiösen Gefühle seiner Wähler an, hier die bei den Nachfahren der puritanischen Gründungsväter tief verwurzelte Ablehnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

George Allen weiss, für die Bürger von Virginia spiele die Bewahrung ihrer traditionellen Werte eine große Rolle.
Dazu gehöre vor allem die Familie, weshalb sie Ausschau hielten nach dem, der ihre Werte teile. Die Republikaner finden einen wichtigen Teil ihrer Anhängerschaft unter jenen, die die Bibel wörtlich nehmen. Da wird mit einer Glaubensdoktrin Politk gemacht, die Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzt. Und dann stellt sich heraus, dass ein republikanischer Abgeordneter minderjährigen Parlamentsboten nachstellt – und seine Parteifreunde ihn jahrelang decken.
Wie werden die Bibeltreuen bei der Wahl reagieren?

Jerry Falwell, der Gründer der sogenannten “Moralischen Mehrheit” gibt sich optimistisch. Er erwartet, dass seine Anhänger gerade aus Sorge ob solcher Verfehlungen dem Präsidenten seine Mehrheit im Kongress erhalten werden. Es war das nicht der einzige Skandal, der die “moralische Mehrheit” kurz vor den Wahlen erschütterte. Pastor Ted Haggard, hier beim Gebet mit Fabrikarbeitern, hat seinen Posten als Präsident der Nationalen Vereinigung Evangelikaler niederlegen müssen, nachdem ein Call-Boy berichtete, wie der öffenlich gegen Schwule wetternde Moralist ihn jahrelang für Sex bezahlt hat. In den Kirchen wird jetzt sein “Geständnis” verlesen.

Man darf gespannt sein, wie die Wähler auf Skandale und Vertuschungesversuche reagieren.