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Bitterkeit bei den Türken ein Jahr nach Beginn der Beitrittsverhandlungen

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Bitterkeit bei den Türken ein Jahr nach Beginn der Beitrittsverhandlungen

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So, wie bei den EU-Bürgern Erweiterungsmüdigkeit herrscht, hat sich am Bosporus Beitrittsmüdigkeit breit gemacht. Laut Umfragen ist nur noch etwa ein Drittel für die Mitgliedschaft. Vor einem Jahr waren es noch gut doppelt so viele. “Als EU-Mitglied wäre die Türkei erledigt”, meint ein Istanbuler, sein Mitbürger erklärt: “Die EU ist eine christliche Gemeinschaft, die werden uns nur schwer akzeptieren.”

Dort, wo sich Istanbuls Jugend trifft, wird ähnliche Skepsis laut. Vor zwei Jahren sahen 70 Prozent der Türken die EU als Garanten für wirtschaftliche Entwicklung und Demokratie. Heute erlebt gerade die Jugend den Aufschwung zu Haus – und die Stagnation in der EU.

Auch der Umgangston der Europäer mit den Türken missfällt vielen: “Als die Verhandlungen im vergangenen Jahr begonnen haben, war ich für den Beitritt. Aber so, wie sich die Europäer uns gegenüber benehmen, macht mir das jetzt Angst”, meint eine junge Frau. Ein anderer Türke bekräftigt:
“Wir sind kein Volk, dass bettelt, bitte, nehmt uns an.”

Nicht nur die Unerbittlichkeit der EU und der Starrsinn der Türkei bremsen, erklärt Cengiz Aktar vom Zentrum für Europa-Studien: “Die Türkei ist so ein bisschen das Stiefkind des Erweiterungsprozesses. Sie erhält ein Sechstel von dem, was die anderen an Hilfen vor dem Beitritt bekommen haben. Und die Kommission ist in der Türkei quasi unsichtbar. Sie versuchen, ein so großes Land wie die Türkei von einem einzigen Büro in Ankara aus abzudecken!”

Die Mehrheit der Türken will laut Umfrage lieber die Verhandlungen abblasen als einen Kompromiss in der Zypernfrage. Der Weg – ob in die Mitgliedschaft oder zu einer privilegierten Partnerschaft – ist noch weit…