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Irak: Verschleppung, Razzien und Anschläge

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Irak: Verschleppung, Razzien und Anschläge

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Nach der Massenentführung in Bagdad hat das Innenministerium einen Krisenstab eingerichtet. Noch immer ist unklar, ob die Tat religiös motiviert ist. Am Morgen hatten Dutzende Männer in Polizeiuniformen das Ministerium für Hochschulbildung gestürmt und etwa 100 Menschen – unter ihnen hauptsächlich Sunniten – gekidnappt. Laut Augenzeugen sollen ihre Pässe auf die Religionszugehörigkeit hin überprüft worden sein.

Fünf ranghohe Polizisten stehen im Verdacht, das Entführungskommando unterstützt zu haben. Sie wurden inzwischen festgenommen. Das Innenministerium, das unter schiitischer Leitung ist, bestritt jedoch, Verbindungen zu Entführungsmilizen zu haben. Sunniten und Schiiten im Irak werfen sich gegenseitig vor, für religiös motivierte Entführungen verantwortlich zu sein.

Gleichzeitig erlebte der Irak mehrere blutige Anschläge und Polizeiübergriffe. In Ramadi starben bei nächtlichen US-Razzien mindestens 30 Personen. Mehrere Häuser wurden zerstört. Augenzeugen berichteten von amerikanischen Panzern, die auf Zivilisten gefeuert haben sollen. Die US-Armee kommentierte die Berichte zunächst nicht. Bei einem Autobombenanschlag auf einem Markt in Bagdad kamen zehn Menschen ums Leben. In Bakuba fand die Polizei die Leichen von 15 Mordopfern. Bei Razzien der US-Armee im schiitischen Viertel Schula in Bagdad wurden mindestens sechs Zivilisten getötet. Ziel waren Anhänger des radikalen Schiitenführers Moktada El-Sadr, die hinter den Entführungsschwadronen vermutet werden.