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Außenminister Moldawiens: Wir wollen in die EU

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Außenminister Moldawiens: Wir wollen in die EU

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Er ist der Außenminister eines der kleinsten Länder Europas: Andrei Stratan. Sein Land heißt Moldawien und liegt an der Peripherie des Kontinents, zwischen Rumänien und der Ukraine. Nach blutigem Kampf wurde es 1991 unabhängig. Doch von Stabilität kann noch keine Rede sein, zu groß sind die Spannungen etwa um die Provinz Transnistrien.

EuroNews: Die Einwohner von Transnistrien haben kürzlich in einem Referendum für die Unabhängigkeit der Region gestimmt. Die Behörden sehen darin das Vorspiel zu einer einer möglichen Vereinigung mit Russland. Bahnt sich da ein Konflikt an? Und wenn ja: Wie kann dieser gelöst werden?

Stratan: Es ist keine Frage, dass dieser Konflikt gelöst werden KANN – er MUSS gelöst werden. Das ist nicht nur im Interesse Moldawiens, sondern auch im Interesse der internationalen Staatengemeinschaft. Die internationale Staatengemenschaft sollte uns dabei helfen und die Möglichkeiten einer Lösung der Transnistrien-Frage zu entwickeln.

EuroNews: Welche Unterstützung können internationale Organisationen und die EU in diesem Konflikt geben?

Stratan: Wir sind über die konstruktive Haltung der Europäischen Union in dieser Frage sehr dankbar.
Lassen Sie mich dabei einen wichtigen Beitrag hervorheben, der mit Hilfe der EU-Mitgliedsstaaten verwirklicht wurde. Ich denke vor allem an die Ernennung eines EU-Vertreters in Moldawien, der sich besonders um das Transnistrien-Problem kümmert.

EuroNews: Welche Rolle spielt Russland dabei?

Stratan: Russland spielt eine wichtige Rolle – so wie andere eine wichtige Rolle in dem Verhandlungsprozess spielen. Und es gibt bedeutsame Verhandlungsrunden – mit verschiedenen Verfahren auf bilateraler Ebene, Gespräche mit drei Parteien und schließlich auf multilateralem Niveau. Dabei bin ich betrübt festzustellen, dass weder die Republik Moldawien noch unsere Freunde einen Weg gefunden haben, Transnistrien in Moldawien wieder zu integrieren.

EuroNews: Wie sehen Sie denn die aktuellen Beziehungen zwischen Ihrem Land und Russland?

Stratan: Wir sind mit einem Problem im Bereich Wirtschaft und Handel konfrontiert. Seit 2005 blockiert die Russische Föderation die Einfuhr von moldawischen Agrar- und Industrieprodukten. Und im März 2006 beschloss Russland ein Embargo auf Wein.

EuroNews: Was steht dahinter?

Stratan: Es gibt ein ähnliches Problem mit einem anderen Land, ich rede von Georgien. Hier gab es die gleiche Politik und die gleichen Entscheidungen, nämlich den Einfuhrstopp georgischer Produkte. Zugleich haben wir immer noch keine dauerhafte Lösung für den Import von Erdgas aus Russland gefunden. Die derzeit geltende Vereinbarung läuft Ende des Jahres aus. Wir verhandeln noch, aber das ist eine ständige Besorgnis für uns.

EuroNews: Am 1. Januar wird Rumänien Mitglied der Europäischen Union. Was bedeutet das für Ihr Land, für Moldawien? Befürchten Sie einen wachsenden Graben zwischen Rumänien und Moldawien?

Stratan: Wir sind stark davon überzeugt, dass es nicht einen großen Graben zwischen den EU-Ländern und den Nachbarn der EU in diesem Teil Europas geben wird. Wir werden weiterhin auf vielerlei Ebenen mit der Europäischen Union zusammenarbeiten, und wir werden dies auch mit Rumänien weiterhin tun.

EuroNews: Welche Richtung wird Ihr Land im Bereich der Außenpolitik einschlagen?

Stratan: Wir orientieren uns in Richtung Europäische Union. Dem gilt unser innenpolitisches und außenpolitisches Hauptinteresse. Wir schaffen dazu alle notwendigen Institutionen auf Regierungsebene wie auch auf regionalstaatlicher Ebene, um mit dieser für Moldawien sehr wichtigen Problematik umzugehen.

EuroNews: Wie sind denn die EU-Perspektiven?

Stratan: Die Perspektiven eines Beitritts zur Europäischen Union hängen nicht nur von Moldawien ab. Vielmehr ist die Haltung der EU und ihrer Mitgliedsstaaten genause wichtig.