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Geburtsstunde des Atomfusionsreaktors

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Geburtsstunde des Atomfusionsreaktors

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In Paris ist am Morgen grünes Licht für ein ehrgeiziges Atomprojekt gegeben worden – den internationalen Fusionsreaktor ITER. Das Finanzierungsabkommen wurde von Vertretern der sieben Vertragspartner China, Indien, Südkorea, Japan, Russland, USA und EU im Elysée-Palast unterzeichnet.

Frankreichs Präsident Jacques Chirac betonte die Dringlichkeit des Vorhabens: “Wenn sich nichts ändert, wird die Menschheit in 200 Jahren die meisten fossilen Brennstoffe verbraucht haben, die in den vergangenen Jahrtausenden angehäuft wurden, was gleichzeitig ein klimatisches Erdbeben auslösen wird.”

Als Vertreter der EU und der Europäischen Atomgemeinschaft sprach Kommissionspräsident Manuel Barroso: “Wir haben von jetzt an das Gerüst, das uns erlaubt, eine der dringendsten Herausforderungen für die Menschheit anzupacken: Saubere und dauerhafte Energiequellen für die Zukunft zu erfinden.”

Vorausgegangen waren jahrelange Verhandlungen über den Standort. Schließlich überbot Frankreich Japan: Das südfranzösische Cadarache bei Marseille wurde ausgewählt. Von den 10 Milliarden Euro Kosten entfällt knapp die Hälfte auf den Bau, der 3000 Stellen schaffen wird.

Ziel des Projekts ist es, im großen Stil saubere Energie aus der Fusion von Atomkernen zu gewinnen – ganz nach dem Vorbild der Sonne. Bisherige Atomkraftwerke beruhen ausschließlich auf der Kernspaltung. Vorteile des Iter sind billige und praktisch unerschöpfliche Brennstoffe und eine geringere Strahlungsgefahr. Umweltschutzorganisationen hingegen warnen trotzdem vor gefährlichen und unabsehbaren Folgen. Mit der Energieherstellung kann voraussichtlich erst Mitte des Jahrhunderts begonnen werden.