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Die Gemayels, die "Kennedys des Libanon"

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Die Gemayels, die "Kennedys des Libanon"

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Pierre Gemayel als Junge mit seinem Vater Amin. Die Gemayels spielen seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle in der libanesischen Politik. Mit immer wieder tragischen Folgen, weshalb sie im Lande auch als die “Kennedys des Libanon” gelten. Der Vater des Ermordeten nennt seinen toten Sohn den 5. Märtyrer in der Familie. Vor ihm wurden schon der Bruder des Vaters, dessen Neffe und dessen Nichte getötet. “Wir wollen den Mächten des Bösen nicht erlauben zu gewinnen”, sagt der Amin Gemayel.

Unter den insgesamt 18 Religionsgemeinschaften im Libanon sind die maronitischen Christen eine der stärksten. Sie leben überwiegend am Mittelmeer zwischen Beirut und Tripoli im Norden. Großvater Pierre Gemayel gründete 1936 nach einem Besuch in Hitlerdeutschland seine Partei. Den Namen “Falange” entlehnte er von der Partei des spanischen Diktators Franco.

Und diese Partei schuf sich Mitte der 70er Jahre ihren bewaffneten Arm. Das geschah, nachdem die aus Jordanien vertriebenen Palästinenser mit ihren Waffen in den Libanon zogen und hier die Balance zwischen den Religionsgemeinschaften veränderten. Die Folge war der Libanon-Krieg von 1975.

Bachir Gemayel, der Sohn des Parteigründers, organisierte den militärischen Arm “Lebanese Forces”. 1982 wurde er zum Präsidenten gewählt – und kurz darauf ermordet. Sein älterer Bruder Amin übernahm das Präsidentenamt. Ein Jahr später starb die Tochter von Bachir bei einem Attentat. Amin Gemayel suchte weltweit nach Unterstützung und unterzeichnete schließlich einen von Israel diktierten Seperatfrieden Er versuchte zwischen den einander bekämpfenden Bürgerkriegsparteien zu vermitteln – wurde de facte aber nur im christlichen Teil des Landes anerkannt. 1989 endete der Bürgerkrieg offziell durch die “Nationale Versöhnungscharta” von Taif – Libanon geriet unter syrische Vorherrschaft – und die Gemayels gingen nach Frankreich ins Exil. Erst elf Jahre später wurde mit Amins Sohn Pierre wieder ein Gemayel ins Parlament in Beirut gewählt. Und der ist nun auch tot.