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Gas und Politik


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Gas und Politik

“Gasputin” nennen die Georgier auf ihren Protestplakaten den russischen Präsidenten. Das ist eine bitterböse Anspielung auf den Mönch Rasputin, im 19. Jahrhundert der böse Geist am Zarenhof. Die Menschen in der westorientierten ehemaligen Sowjetrepublik im Kaukasus betrachten es als Erpressung, wenn Russland mit höheren Gaspreisen droht. Vom Mißbrauch der Energie als Waffe in politischen Auseinandersetzungen ist die Rede.

Man hört das nicht zum ersten Mal. Im vergangenen Winter hatte Russland den sich westwärts orientierenden Ukrainern die Preise erhöht. Das nahmen die Europäer aber nur deshalb so deutlich zur Kenntnis, weil die Ukrainer in ihrer Not sich wohl ein wenig von dem Gas abgezweigt hatten, dass eigentlich durch ihr Land durch nach Westeuriopa geleitet werden soll.

Immerhin hatte Gasprom die Preise für die Ukraine von 50 Dollar für tausend Kubikmeter auf 160 Dollar erhöht. Die Westeuropäer, die ihr Gas durch 2 Leitungen beziehen, zahlen 230 Dollar. Sie bauen jetzt eine neue Leitung durch die Ostsee und sie planen eine weitere im Süden aus Algerien einmal nach Spanie n und einmal nach Italien.

An der Ostseepipeline wird schon gebaut. Deutschlands Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der sich zum Ende seiner Amtszeit für das Projekt stark gemacht hat, sitzt jetzt im Aufsichtsrat der Tochterfirma von Gasprom. 2008 soll die Leitung fertig sein. Derzeit beziehen die Europäer ihr Gas zu 60 Prozent aus der Nordsee, Zu fast einem Viertel aus Russland, 10 Prozent kommen aus Algerien.

Auf die Reserven unter dem Sand der Sahara haben die Europäer jetzt ein Auge geworfen, mit dem algerischen Gas liesse sich die Abhängigkeit vom russischen in Grenzen halten. Dem algerischen Präsidenten gefallen diese Geschäftsaussichten. Die Verträge mit Spanien und Italien sind bereits unter Dach und Fach. Es sei den gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu Russland durchaus dienlich, hört man jetzt häufiger von europäischen Politikern, wenn Europas Energie aus aus anderen Richtungen komme.

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