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Papst-Besuch in der Türkei sorgt für Aufregung - Muslime fühlen sich herausgefordert

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Papst-Besuch in der Türkei sorgt für Aufregung - Muslime fühlen sich herausgefordert

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Die Hagia Sophia gilt als eines der Wahrzeichen von Istanbul. Nirgendwo sonst in der Türkei kann man auf einen Blick soviel über die Geschichte der verschiedenen Religionen erfahren, die das Leben in dieser Region geprägt haben. Erbaut wurde die Hagia Sophia im 6. Jahrhundert als Krönungskirche der byzantinischen Kaiser. Sie war die Hauptkirche der Orthodoxen bis 1453 die Osmanen Konstantinopel eroberten. 1934 wurde daraus ein Museum – und dieses will nun der Papst als Tourist besuchen.

Das ist ultral-nationalistischen Türken zu viel. Demonstrativ hatten 39 von ihnen in der vergangenen Woche in der Hagia Sophia und mit “Allah ist groß”- Rufen die Hüter der öffentlichen Ordnung provoziert. Am Sonntag folgte dann der Aufmarsch von rund 20.000 Anhängern der sogenannten “Glückseligskeits”-Partei. Das waren allerdings sehr viel weniger als von den Organisatoren angekündigt und von den Behörden befürchtet. Der Türkei-Experte Robert Anciaux konstatiert in dieser Frage eine Annäherung von Islamisten und Ultra-Nationalisten. “Für die Islamisten bedeute Kampf der Kulturen den Zusammenstoss von islamischer und westlicher Kultur”, meint er, “wobei die westliche natürlich als christlich angesehen wird.” Den Ultranationalisten gehe es um das Primat der Nation. Sie wollten der Türkei eine Identität geben, die vor äußeren Einflüssen schützen könne. So gesehen fühlen sich beide Gruppen durch den Besuch des katholischen Kirchenoberhauptes herausgefordert. Da stehen dann auch die republikanischen Werte der modernen Türkei auf dem Prüfstand.