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Streit um Srebrenica: Umstrittene Würdigung niederländischer Soldaten

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Streit um Srebrenica: Umstrittene Würdigung niederländischer Soldaten

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Eine militärische Auszeichnung in den Niederlanden hat für große Kontroversen gesorgt: Begleitet von Protesten wie hier in Den Haag würdigte das Verteidigungsministerium die Blaumhelmsoldaten, die während des Bosnienkriegs und zum Zeitpunkt des Massakers in Srebrenica stationiert waren. Ein Schritt, den Opferverbände, Überlebende und Angehörige heftig kritisierten.

Verteidigungsminister Henk Kamp heftete den Soldaten bei einer Zeremonie in Assen ein Ehrenabzeichen ans Revers. “Jahrelang wurde niederländischen Truppen die kalte Schulder gezeigt. Ihr wurdet unfairerweise persönlich dafür verantwortlich gemacht, dass ihr die Enklave und seine Bewohner nicht beschützen konntet.
Seit 1995 wurdet ihr im Stich gelassen – auch von den Politikern, die euch auf die unmögliche Mission geschickt hatten.”

Die unmögliche Mission für die 450 niederländischen UN-Soldaten bestand darin, die Schutzzone Srebrenica zu sichern. Im Juli 1995 wurde sie von bosnisch-serbischen Truppen regelrecht überrannt. Oberbefehlshaber Thom Karremans, der damals eingeschüchtert neben General Ratko Mladic gefilmt wurde, wurde nun als Erster ausgezeichnet. Die Niederländer – ausgerüstet mit einem schwachen Mandat – standen damals hilflos dabei, als Männer von Frauen und Jungen von Mädchen getrennt wurden. Einige assistierten sogar bei den Vorbereitungen des Völkermords. Eine unabhängige Untersuchung sprach die UN-Soldaten später aber von der Verantwortung für das Massaker frei. Für die Opferverbände stellt die Auszeichnung jedoch eine Verletzung und Erniedrigung dar.