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Bulgarien öffnet Geheimdienst-Akten: Gegner kritisieren Gesetz als nicht ausreichend

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Bulgarien öffnet Geheimdienst-Akten: Gegner kritisieren Gesetz als nicht ausreichend

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Wenige Wochen vor dem EU-Beitritt Bulgariens hat das Parlament in Sofia ein Gesetz zur Öffnung der Akten der früheren kommunistischen Geheimdienste verabschiedet. Ob allerdings damit tatsächlich Licht in brisante Affären gebracht werden kann, ist fraglich, denn die Akten der Abteilungs- und Sektorenleiter der zivilen und militärischen Aufklärungsdienste bleiben weiterhin geschlossen.

Der bulgarische Geheimdienst soll etwa in das fehlgeschlagene Attentat auf Papst Johannes Paul II. im Jahr 1981 verwickelt gewesen sein. So wird gemutmasst, dass der Attentäter Mehmet Ali Agca von bulgarischen Agenten im Auftrag der kommunistischen Machthaber in Moskau präpariert wurde. Endgültige Beweise für diese Theorie fehlen freilich bis heute. Der Papst selbst versicherte später, er habe niemals an die Verbindung nach Bulgarien geglaubt. Auch die Rolle des Ex-KGB-Generals Oleg Kalugin ist unklar. Kalugin, der heute in den USA lebt, soll den Befehl zur Ermordung des bulgarischen Dissidenten Georgi Markow gegeben haben. Markow wurde 1978 in London mit einer vergifteten Regenschirmspitze getötet. Möglicherweise können die Akten des bulgarischen Geheimdienstes Licht in die Affäre bringen. Bulgarische Journalisten und Politiologen fordern allerdings nun die Öffnung aller Geheimdossiers. Sie kritisieren, dass das Gesetz halbherzig sei und die Abhängigkeit der bulgarischen Politik von der früheren Staatssicherheit zeige.