Eilmeldung

Eilmeldung

Tauziehen um mutmaßlichen Kriegsverbrecher

Sie lesen gerade:

Tauziehen um mutmaßlichen Kriegsverbrecher

Schriftgrösse Aa Aa

Serbien will den als Kriegsverbrecher angeklagten Vojislav Seselj zumindest vorübergehend zurückhaben. Seselj, der seit fast vier Wochen im Hungerstreik ist, soll nach serbischem Wunsch in einem Krankenhaus in Belgrad behandelt werden. Er selbst lehnt aber jede Behandlung ab. Das Verfahren gegen Seselj ist inzwischen erst einmal auf unbestimmte Zeit ausgesetzt worden.

Mit dem Hungerstreik will Seselj vor allem durchsetzen, dass er sich vor dem UNO-Tribunal im niederländischen Den Haag selbst verteidigen darf. Außerdem geht es ihm um unbeschränkte Besuchsmöglichkeiten für seine Frau. Mehrere Ärzte haben Seselj inzwischen untersucht, darunter auch ein Serbe. Er sagt, Seseljs Zustand sei gefährlich und dramatisch. Er habe 25 Kilo abgenommen und werde bei fortgesetztem Hungerstreik bald sterben.

Der 52-jährige Seselj soll verantwortlich sein für Vertreibungen in den Balkankriegen der 90er Jahre. Nach wie vor fordert er ein “Großserbien” mit den serbisch bewohnten Gebieten von Kroatien und Bosnien. Er ist auch weiterhin Vorsitzender seiner Partei, der Serbischen Radikalen. Damit ist er auch deren Spitzenkadidat bei der Parlamentswahl, die für Ende Januar vorgesehen ist. Nach letzten Umfragen hat seine Partei dabei gute Siegchancen.

Für Seselj ist es schon der zweite Hungerstreik. Das erste Mal war vor 22 Jahren in einem jugoslawischen Gefängnis; damals hielt er 44 Tage ohne Nahrung aus.