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UNO-Tribunal entscheidet über Fall Seselj

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UNO-Tribunal entscheidet über Fall Seselj

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Nach knapp vier Wochen Hungerstreik kann der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Vojislav Seselj jetzt auch gegen seinen Willen am Leben erhalten werden. Das entschied das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag in einer Anweisung an die niederländischen Behörden. Dem radikalen Serbenführer Seselj werden Mord und Vertreibung in den Bürgerkriegen der neunziger Jahre in Kroatien und Bosnien vorgeworfen. Mit dem Hungerstreik will er vor allem erreichen, dass er sich selbst verteidigen darf.

Mit seiner jetzigen Entscheidung reagiert das Tribunal auf eine ärztliche Untersuchung Seseljs. Gerichtssprecher Refik Hodzic sagt, die Ärzte hätten zwei Dinge festgestellt: Zum ersten seien sie zufrieden mit den Bedingungen in dem Gefängniskrankenhaus, in dem Seselj jetzt liegt. Er sei dort unter Beobachtung; auf einen Notfall könnten die Ärzte sofort reagieren. Zum anderen seien sie aber über Seseljs Zustand sehr besorgt, nachdem er sowohl das Essen als auch die Einnahme von Medikamenten nun schon so lange verweigere.

Die Ärzte, die Vojislav Seselj untersucht haben, kommen aus Serbien, Russland und Frankreich. Der französische Mediziner Patrick Barriot bestätigt, dass Seseljs Zustand besorgniserregend sei. Jetzt beginne eine kritische Zeit, in der man um sein Leben fürchten müsse. Eine Funktionsstörung, ein Asthmaanfall oder eine Stoffwechselstörung: so etwas könne ihn jetzt jederzeit töten.

Seselj ist nach wie vor Parteivorsitzender der Serbischen Radikalen. Bei der Parlamentswahl Ende Januar wäre er damit auch in Abwesenheit ihr Spitzenkandidat. Nach letzten Umfragen würden die Radikalen bei der Wahl stärkste Partei werden. Seiner Partei zufolge will Seselj den Hungerstreik notfalls bis zum Tod führen.