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Polizisten nach Tod französischer Jugendlicher belastet

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Polizisten nach Tod französischer Jugendlicher belastet

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Hier sind sie vor gut einem Jahr ums Leben gekommen: die beiden französischen Jugendlichen, die sich offenbar vor Polizisten in ein elektrisches Umspannwerk flüchteten – für sie eine tödliche Falle. Eine Untersuchung des Falls durch die interne Polizeiaufsicht ist jetzt bekannt geworden: Sie bestätigt, dass die beiden Jungen verfolgt wurden und erhebt schwere Vorwürfe gegen die beteiligten Polizisten.

Dabei habe es vor einem Jahr geheißen, es habe gar keine Verfolgungsjagd gegeben, erinnert sich der Anwalt der Hinterbliebenen, Jean-Pierre Mignard. Das sei es, was die Jugendlichen in den Vororten, den Banlieues, verrückt gemacht habe. Dieser Untersuchungsbericht sage jetzt zum ersten Mal: Es gab eine Verfolgungsjagd – und immerhin seien daran fünf Streifenwagen beteiligt gewesen.

Der Tod der beiden Jugendlichen im Pariser Vorort Clichy-sous-Bois löste im Herbst letzten Jahres hier und in anderen Großstädten eine Welle der Gewalt aus. Der Untersuchungsbericht wertete unter anderem den Funkverkehr des Polizeieinsatzes aus und stellt nun fest, die beteiligten Polizisten hätten ein überraschendes Maß an Verantwortungslosigkeit und Fahrlässigkeit gezeigt.

Ihr Anwalt Daniel Merchat sieht das anders: Seit einem Jahr untersuche man nun, was damals innerhalb von drei Minuten passiert sei. Die fünf Polizisten seien damals aber im Einsatz gewesen, und sie hätten ihre Arbeit auf die denkbar professionellste Weise erledigt.

Dem Bericht zufolge wussten sie aber, dass die Jugendlichen in dem Umspannwerk und damit in Lebensgefahr waren. Sie selber bestreiten das. Einer von ihnen soll aber gesagt haben, für das Leben der Jungen gebe er da drin jetzt nicht mehr viel. Den Polizisten wird auch vorgeworfen, sie hätten das Umspannwerk abschalten lassen können.

Gegen sie wird inzwischen wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Der Anwalt der Hinterbliebenen will noch erreichen, dass die Ermittlungen ausgedehnt werden: auf den schwereren Vorwurf der “vorsätzlichen Gefährdung des Lebens Dritter”.