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Ein Diktator entgeht am Ende doch der Strafe

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Ein Diktator entgeht am Ende doch der Strafe

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So sah er sich selbst, der Augusto Pinochet: Geboren in kleinen Verhältnissen, aufgestiegen zum Oberbefehlshaber der chilenischen Streitkräfte und zum “stärksten Mann im Staate.”

Berühmt-berüchtigt durch die gewaltsame Beseitigung des demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende und durch 17 Jahre Diktatur. An die Macht gekommen durch Verrat – am Präsidenten, der ihn nur 18 Tage vor dem Putsch zum Oberbefehlhaber des Heeres ernannt hatte.

Geboren wurde Augusto Pinochet 1915 in Valparaiso in einer Familie mit französischen Wurzeln. Im dritten Anlauf schaffte er mit 18 Jahre die Aufnahmeprüfung für die Militärschule. Der junge Offizier heiratete, wurde Vater von drei Töchtern und zwei Söhnen.

Der Sommer 1974: Nach Putsch und brutaler Verfolgung seiner politischen Gegner wähnte sich der Junta-Chef am Ziel: Zur Uniform des Oberbefehlshabers trug er nun die Präsidentenschärpe.

Als Präsident sorgte Augusto Pinochet gut für jene, die ihm nahestanden und seine Macht stützten. Unter anderem mit einer Amnesti für Folter und Mord, wenn dies zu seinen Gunsten geschah. Zum Beispiel im Stadion von Santiago im September 1973: Unmittelbar nach dem Putsch eines der größten Folterlager.

Mindestens 3.000 Menschen wurden in den 17 Jahren seiner Herrschaft ermordet. Von eigenen Schergen oder in trauter Gemeinsamkeit mit benachbarten Diktatoren bei der berüchtigten “Operation Condor”.

Der Abschied vom Präsidentenamt wurde Pinochet 1990 durch eine auf seine Person zugeschnittene Verfassung versüsst: Als “Senator auf Lebenszeit” behielt er seine Immunität. Keine Strafverfolgung also? Diese Rechnung war ohne Pinochets Opfer und deren Anwälte gemacht.

Der spanischer Ermittlungsrichter Baltasar Garzon hatte die Akten über in Chile ermordete Spanier nie geschlossen. Während der “Diktatot im Ruhestand” in London mit seiner alten Freundin Margaret Thatcher Tee trank, beantragte Garzon Pinochtes Auslieferung an Spanien. Daraus wurde ein monatelanger Hausarrest.

Am Ende erging es Pinochet ähnlich wie Al Capone, der zwar nie wegen Mordes, dafür aber wegen nicht bezahlter Steuern belangt wurde. Im Frühjahr 2005 kamen Pinochets diverse Geheimkonten in den USA ans Licht. Das veranlasste chilenische Richter, doch noch die Immunität des Senators aufzuheben und ein Verfahren einzuleiten wegen Steuerhinterziehung.