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Ermittlungen wegen Verbrechen der chilenischen Diktatur sollen weitergehen

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Ermittlungen wegen Verbrechen der chilenischen Diktatur sollen weitergehen

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Als Pinochet vor zwei Wochen seinen 91. Geburtstag feierte, übernahm er in einer Erklärung die “politische Verantwortung” für die während seiner Herrschaft verübten Taten von Mitgliedern des Staatsapparats. Dass er nun nicht mehr wegen seiner persönlichen Verantwortung vor ein ordentliches Gericht gestellt werden kann, ist für viele Chilenen der einzige Grund, seinen Tod zu bedauern. Der spanische Untersuchungsrichter Balthasar Garzon betonte jedoch, dass die Justiz in den vergangenen acht Jahren einen wichtigen Beitrag geleistet habe und zahlreiche Verfahren eingeleitet habe, in Chile und im Ausland. Dadurch – so Garzon – habe es zumindest teilweise so etwas wie Wiedergutmachung gegeben.

Garzon hatte Pinochet 1998 mit internationalem Haftbefehl festnehmen lassen, als sich der ex-Diktator zu ärztlicher Behandlung in London aufhielt, – wo ihn die ehemalige Premierministerin Margaret Thatcher willkommen geheißen hatte. Pinochet war ihr geheimer Verbündeter im Falkland-Krieg gegen Argentinien. Zu einem Strafverfahren wegen der Verbrechen der chilenischen Militärdiktatur kam es jedoch nicht: Die britischen Lordrichter entschieden gegen eine Auslieferung Pinochets nach Spanien.

Die Ermittlungen sollen jedoch auch nach dessen Tod weitergehen. Dies fordern unter anderem die Hinterbliebenenen von Salvador Allende: Der sozialistische Präsident war 1973 vom Militär unter Pinochet gestürzt worden und kam dabei ums Leben.
“Es kann keine Versöhung geben, solange der Prozess nicht abgschlossen ist”, sagt Isabel Allende, die Tochter des ehemaligen Präsidenten. Viele Opfer der Diktatur seien noch nicht einmal gefunden worden; deren Familien suchten sie noch immer. Nicht Versöhnung sei vonnöten, sondern Gerechtigkeit, betont Isabel Allende.
Die sozialistische Politikerin ist seit 2003 Parlaments-Präsidentin.