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Skandal um falschen TV-Bericht in Belgien

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Skandal um falschen TV-Bericht in Belgien

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Das belgische Fernsehen am Mittwochabend: Der Moderator der Abendnachrichten verkündet das Ende Belgiens. Das flämische Regionalparlament habe soeben die Unabhängigkeit des niederländischsprachigen Landesteils erklärt. Ein Problem nur: Die Meldung war frei erfunden – zur besten Sendezeit. Doch 89 Prozent der Zuschauer hielten die Nachricht für wahr. Falsche Live-Berichte, falsche Reportagen – pure Fiktion. Ein Lehrstück in Sachen Fernsehen wohl auch. Ausländische Botschafter, Journalisten, Politiker und internationale Organisationen sollen den Spuk ebenfalls geglaubt haben. Selbst der Chef des öffentlich-rechtlichen Senders, Pierre Lach, nahm teil: Das unabhängige Flandern gleiche schon jetzt einer korrupten ehemaligen Sojwetrepublik. Der Fernsehbericht vor dem Hintergrund des erbittert geführten Sprachenstreits brachte mehrere Dutzend Belgier dazu, vor dem Königspalast in Brüssel für die Einheit des Landes zu demonstrieren.

Didier Reynders, Finanzminister und stellvertretender Regierungschef, zeigte sich schockiert darüber, dass es offenbar Gespräche zwischen dem Sender und den rechtsextremen Nationalisten gegeben habe. Das sei schon fast eine Frage der Hygiene. Nun, alles sei Fiktion gewesen, jetzt müsse man nach den Verantwortlichen suchen. Etikettenschwindel. Letztlich hat das belgische Fernsehen sich mit dem Lausbubenstreich wohl einen Bärendienst erwiesen – zumindest aber eine Diskussion über die im eigenen Medium abgebildete Realität ausgelöst.